ADHS und Pflegegrad: Wann Kinder und Erwachsene Anspruch haben

Inhaltsverzeichnis ▲
- Das Wichtigste in Kürze
- Haben Menschen mit ADHS Anspruch auf einen Pflegegrad?
- Welche Module bei ADHS punkten
- ADHS bei Kindern: So wird bewertet
- ADHS bei Erwachsenen: Wann ein Pflegegrad realistisch ist
- Welcher Pflegegrad bei ADHS?
- So beantragen Sie den Pflegegrad bei ADHS
- 5 Tipps für die Begutachtung
- So hilft JUHI bei ADHS und Pflegegrad
- Unser Fazit
- Häufig gestellte Fragen
- Quellen
ADHS – Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung – betrifft in Deutschland etwa 5 % der Kinder und Jugendlichen sowie ca. 2,5–4,7 % der Erwachsenen. Viele Familien fragen sich: Steht meinem Kind mit ADHS ein Pflegegrad zu? Und was ist mit Erwachsenen? Die ehrliche Antwort: ADHS allein führt in den meisten Fällen nicht zu einem Pflegegrad. Aber wenn schwere Begleiterkrankungen hinzukommen, ist ein Pflegegrad realistisch – und damit auch Leistungen der Pflegeversicherung.
Das Wichtigste in Kürze
- ✓ ADHS allein reicht meist nicht für einen Pflegegrad – entscheidend sind die Auswirkungen auf die Selbständigkeit
- ✓ ADHS + Begleiterkrankungen (Autismus, Depression, Angststörung, Lernbehinderung) → Pflegegrad wird realistisch
- ✓ Kinder: Nur der Mehrbedarf gegenüber einem gleichaltrigen gesunden Kind zählt
- ✓ Typische Einstufung: Pflegegrad 1 oder 2, bei schweren Fällen Pflegegrad 3
- ✓ Module 2, 3 und 6 des NBA sind bei ADHS die entscheidenden Bereiche
Haben Menschen mit ADHS Anspruch auf einen Pflegegrad?
Die Pflegeversicherung bewertet nicht die Diagnose, sondern die Auswirkungen auf die Selbständigkeit. Das heißt: Es ist egal, ob die Diagnose ADHS, Demenz oder ein Schlaganfall lautet – entscheidend ist, wie stark die Person im Alltag eingeschränkt ist.
Bei leichtem bis mittelschwerem ADHS ohne Begleiterkrankungen reichen die Einschränkungen häufig nicht für einen Pflegegrad. Bei schwerem ADHS – insbesondere in Kombination mit weiteren Erkrankungen – sieht es anders aus:
| Situation | Pflegegrad realistisch? |
|---|---|
| Leichtes ADHS, keine Begleiterkrankungen | Eher nein |
| Mittelschweres ADHS, gute Medikation | Grenzfall – PG 1 möglich |
| Schweres ADHS ohne Begleiterkrankungen | PG 1–2 möglich |
| ADHS + Autismus-Spektrum-Störung | PG 2–3 realistisch |
| ADHS + schwere Depression / Angststörung | PG 1–2 realistisch |
| ADHS + Lernbehinderung + Verhaltensstörung | PG 2–3 realistisch |
Welche Module bei ADHS am meisten punkten
Bei der Begutachtung werden 6 Module bewertet. ADHS wirkt sich vor allem in drei Modulen aus:
| Modul | Gewichtung | Relevanz bei ADHS | Typische Einschränkungen |
|---|---|---|---|
| 2 – Kognition | 15 %* | Hoch | Konzentrationsprobleme, Entscheidungsschwäche, gestörte Handlungsplanung, vergisst Aufgaben |
| 3 – Verhalten | Sehr hoch | Impulsivität, Wutanfälle, Aggressionen, nächtliche Unruhe, oppositionelles Verhalten, Selbstgefährdung | |
| 4 – Selbstversorgung | 40 % | Mittel | Braucht ständige Erinnerung zum Anziehen, Waschen, Essen – nicht weil es nicht geht, sondern weil es vergessen oder abgebrochen wird |
| 5 – Krankheit | 20 % | Mittel | Medikamente vergessen, Arzttermine nicht einhalten, Therapiemitarbeit gestört |
| 6 – Alltag | 15 % | Hoch | Hausaufgaben nicht erledigt, Tagesstruktur bricht zusammen, kann Aufgaben nicht allein planen |
| 1 – Mobilität | 10 % | Gering | ADHS hat meist keine Auswirkung auf die Mobilität |
*Von Modul 2 und 3 fließt nur der höhere Wert in die Gesamtbewertung ein.
💡 Modul 3 ist der Schlüssel
Bei ADHS ist Modul 3 (Verhaltensweisen und psychische Problemlagen) oft der entscheidende Faktor. Impulsivität, Wutanfälle, Weglauftendenz und nächtliche Unruhe bringen viele Punkte – mehr als die kognitiven Einschränkungen in Modul 2.
ADHS bei Kindern: So wird bewertet
Bei Kindern mit Pflegegrad vergleicht der Medizinische Dienst den Hilfebedarf mit dem eines gleichaltrigen gesunden Kindes. Nur der zusätzliche Aufwand – der Mehrbedarf – wird bewertet. Das ist bei ADHS entscheidend, denn viele Verhaltensweisen können auch bei gesunden Kindern vorkommen.
Beispiel: Leon, 8 Jahre, schweres ADHS + oppositionelle Verhaltensstörung
- Kognition: Kann sich keine 5 Minuten konzentrieren, vergisst Aufgaben sofort, braucht ständige Anleitung – deutlich über Altersnorm
- Verhalten: Tägliche Wutanfälle (30+ Min.), Aggressionen gegen Geschwister, Selbstgefährdung, nächtliches Aufwachen – weit über Altersnorm
- Selbstversorgung: Zieht sich nicht selbständig an, vergisst zu essen, bricht Handlungen ab – Mehrbedarf gegenüber gleichaltrigem Kind
- Alltag: Kann Hausaufgaben nicht allein machen, Tagesstruktur nur mit permanenter Anleitung – Mehrbedarf vorhanden
Ergebnis: ca. 35–45 Punkte → Pflegegrad 2
Der Mehrbedarf liegt vor allem in Modul 3 (Verhalten) und Modul 6 (Alltag). Die oppositionelle Verhaltensstörung als Begleiterkrankung macht den Unterschied – ohne sie wäre PG 1 oder kein Pflegegrad wahrscheinlicher.
Pflegegrad vorhanden?
Dann stehen Ihnen bis zu 13 Std. monatliche Hilfe zu!
Hier geht es zum RechnerADHS bei Erwachsenen: Wann ein Pflegegrad realistisch ist
Bei Erwachsenen mit ADHS ist ein Pflegegrad seltener als bei Kindern – aber nicht ausgeschlossen. Entscheidend ist, ob die ADHS so schwer ist, dass die Person im Alltag auf regelmäßige Hilfe angewiesen ist. Typische Konstellationen:
| Situation | Pflegegrad? |
|---|---|
| ADHS, gut eingestellt, berufstätig | Nein – Selbständigkeit erhalten |
| ADHS + schwere Depression, erwerbsgemindert | PG 1–2 möglich |
| ADHS + Autismus-Spektrum + Angststörung | PG 2–3 realistisch |
| ADHS + Suchterkrankung + soziale Isolation | PG 1–2 möglich |
Wichtig: Die Medikation wird berücksichtigt. Der Medizinische Dienst bewertet die Selbständigkeit mit Medikation – nicht ohne. Wenn Medikamente die Symptome gut kontrollieren, sinkt der Pflegebedarf und damit die Chance auf einen Pflegegrad.
Welcher Pflegegrad bei ADHS?
| Pflegegrad | Punkte | Typisch bei ADHS |
|---|---|---|
| PG 1 | 12,5–27 | Leichtes bis mittelschweres ADHS mit Alltagseinschränkungen |
| PG 2 | 27–47,5 | Schweres ADHS mit Begleiterkrankungen, deutlicher Mehrbedarf |
| PG 3 | 47,5–70 | ADHS + Autismus + Verhaltensstörung, umfassender Hilfebedarf |
| PG 4–5 | 70+ | ADHS allein sehr unwahrscheinlich – nur bei schwerer Mehrfachbehinderung |
So beantragen Sie den Pflegegrad bei ADHS
- 1Antrag bei der Pflegekasse stellen: Formlos (telefonisch oder schriftlich). Eine kostenlose Beratung zur Pflegegrad-Beantragung erhalten Sie bei Afilio.
- 2Unterlagen sammeln: ADHS-Diagnose, Berichte von Therapeut:innen, Schulberichte (bei Kindern), Medikamentenplan.
- 3Pflegetagebuch führen: Mindestens 2 Wochen – dokumentieren Sie jede Situation, in der Hilfe nötig war. Nutzen Sie den Fragenkatalog Pflegegrad zur Vorbereitung.
- 4Begutachtung durch den Medizinischen Dienst: Ein Gutachter kommt zu Ihnen nach Hause und bewertet die 6 Module.
- 5Bei Ablehnung: Widerspruch einlegen: Innerhalb eines Monats. In vielen Fällen führt der Widerspruch zu einer Höherstufung.
5 Tipps für die Begutachtung bei ADHS
- 1Den schlechtesten Tag beschreiben – nicht den besten. Viele Eltern spielen die Einschränkungen herunter, weil sie sich schämen oder sich an die Situation gewöhnt haben.
- 2Begleiterkrankungen benennen – Autismus, Depression, Angststörung, Schlafstörung. Jede Diagnose zählt.
- 3Modul 3 betonen – Verhaltensauffälligkeiten bringen bei ADHS die meisten Punkte. Wutanfälle, Impulsdurchbrüche, Selbstgefährdung, nächtliche Unruhe: alles dokumentieren.
- 4Konkrete Zeitangaben machen – „Er braucht morgens 45 Minuten ständige Anleitung zum Anziehen" ist besser als „Er zieht sich nicht allein an".
- 5Berichte vorlegen – Therapeut:innen, Kinderpsychiater, Schulsozialarbeit, SPZ. Je mehr Fachberichte, desto besser die Bewertung.
⚠️ Häufiger Fehler bei ADHS-Begutachtungen
Kinder mit ADHS verhalten sich beim Gutachtertermin oft auffällig ruhig – weil die Situation neu und spannend ist. Der Gutachter sieht dann ein „unauffälliges" Kind. Weisen Sie darauf hin, dass das Verhalten nicht dem Alltag entspricht, und legen Sie das Pflegetagebuch vor.
So hilft JUHI bei ADHS und Pflegegrad
Familien mit einem ADHS-betroffenen Kind oder Erwachsenen stehen unter enormem Druck. Der Alltag ist chaotisch, die Hauswirtschaft bleibt liegen, und die pflegenden Eltern kommen an ihre Grenzen. Wenn ein Pflegegrad bewilligt wird, kann JUHI einen Teil dieser Last übernehmen.
JUHI übernimmt Saugen, Fenster putzen, Einkaufen, Gardinen aufhängen, leichte Gartenarbeiten, Begleitung und Gesellschaft – bis zu 13 volle Stunden Hilfe pro Monat, finanziert über Entlastungsbetrag und Verhinderungspflege, ohne einen Cent Eigenkosten. Unser Stundensatz beträgt 32,75 €* inkl. sämtlicher Kosten.
JUHI ist seit über 8 Jahren von allen Pflegekassen anerkannt – bundesweit in über 30 Städten, darunter Köln, Augsburg, Essen und Dresden. JUHI hilft allen Menschen mit Pflegegrad – unabhängig vom Alter.
Ihren genauen Stundenanspruch zeigt Ihnen der JUHI-Rechner. Stellen Sie gerne eine kurze Anfrage.
Unser Fazit: ADHS allein reicht selten – aber mit Begleiterkrankungen schon
ADHS allein führt in den meisten Fällen nicht zu einem Pflegegrad. Aber in Kombination mit Autismus, schwerer Verhaltensstörung, Depression oder Angststörung ist ein Pflegegrad – meist PG 1 oder 2, bei schweren Fällen PG 3 – realistisch und berechtigt. Entscheidend ist die Begutachtung: Beschreiben Sie den schlechtesten Tag, betonen Sie Modul 3 und legen Sie Fachberichte vor.
Ob die Voraussetzungen in Ihrem Fall erfüllt sein könnten, zeigt Ihnen der Pflegegradrechner als erste Einschätzung.
Häufig gestellte Fragen
Bekommt man bei ADHS automatisch einen Pflegegrad?+
Nein. Die Diagnose ADHS allein reicht nicht. Entscheidend ist, wie stark die Selbständigkeit im Alltag eingeschränkt ist. Bei leichtem ADHS ohne Begleiterkrankungen wird in der Regel kein Pflegegrad vergeben.
Welcher Pflegegrad ist bei ADHS realistisch?+
Am häufigsten Pflegegrad 1 oder 2. Bei schweren Fällen mit Begleiterkrankungen (Autismus, oppositionelle Verhaltensstörung) ist Pflegegrad 3 möglich. Pflegegrad 4 oder 5 durch ADHS allein ist äußerst selten.
Können auch Erwachsene mit ADHS einen Pflegegrad bekommen?+
Ja, wenn die ADHS zusammen mit Begleiterkrankungen die Selbständigkeit im Alltag schwer beeinträchtigt. Bei Erwachsenen mit ADHS + schwerer Depression oder Autismus-Spektrum-Störung ist ein Pflegegrad realistisch.
Wird die Medikation bei der Bewertung berücksichtigt?+
Ja. Der Medizinische Dienst bewertet die Selbständigkeit mit Medikation. Wenn Methylphenidat oder andere ADHS-Medikamente die Symptome gut kontrollieren, sinkt der bewertete Pflegebedarf – und damit die Wahrscheinlichkeit eines höheren Pflegegrads.
Was tun, wenn der Pflegegrad abgelehnt wird?+
Innerhalb eines Monats Widerspruch bei der Pflegekasse einlegen. Legen Sie das Pflegetagebuch vor und betonen Sie die Verhaltensauffälligkeiten (Modul 3). Holen Sie wenn möglich eine ergänzende Stellungnahme von Therapeut:innen oder der Kinderpsychiatrie ein.
Kann JUHI auch Familien mit ADHS-betroffenen Kindern helfen?+
Ja. JUHI hilft allen Menschen mit Pflegegrad – unabhängig vom Alter. Wenn Ihr Kind einen Pflegegrad hat, kann JUHI die Hauswirtschaft übernehmen: Putzen, Einkaufen, Wäsche, Begleitung. Das entlastet die ganze Familie und kostet Sie nichts.
Quellen
- § 15 SGB XI – Ermittlung des Grades der Pflegebedürftigkeit
- § 14 SGB XI – Begriff der Pflegebedürftigkeit
- § 45b SGB XI – Entlastungsbetrag
- Medizinischer Dienst – Pflegebegutachtung
- Bundesministerium für Gesundheit – Leistungen der Pflegeversicherung
- GKV-Spitzenverband – Pflegeleistungen
- AWMF S3-Leitlinie ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen
- Verbraucherzentrale – Pflege zu Hause: Leistungen im Überblick
*In bestimmten Bundesländern ist der Preis etwas niedriger.
ADHS – Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung – betrifft in Deutschland etwa 5 % der Kinder und Jugendlichen sowie ca. 2,5–4,7 % der Erwachsenen. Viele Familien fragen sich: Steht meinem Kind mit ADHS ein Pflegegrad zu? Und was ist mit Erwachsenen? Die ehrliche Antwort: ADHS allein führt in den meisten Fällen nicht zu einem Pflegegrad. Aber wenn schwere Begleiterkrankungen hinzukommen, ist ein Pflegegrad realistisch – und damit auch Leistungen der Pflegeversicherung.
Das Wichtigste in Kürze
- ✓ ADHS allein reicht meist nicht für einen Pflegegrad – entscheidend sind die Auswirkungen auf die Selbständigkeit
- ✓ ADHS + Begleiterkrankungen (Autismus, Depression, Angststörung, Lernbehinderung) → Pflegegrad wird realistisch
- ✓ Kinder: Nur der Mehrbedarf gegenüber einem gleichaltrigen gesunden Kind zählt
- ✓ Typische Einstufung: Pflegegrad 1 oder 2, bei schweren Fällen Pflegegrad 3
- ✓ Module 2, 3 und 6 des NBA sind bei ADHS die entscheidenden Bereiche
Haben Menschen mit ADHS Anspruch auf einen Pflegegrad?
Die Pflegeversicherung bewertet nicht die Diagnose, sondern die Auswirkungen auf die Selbständigkeit. Das heißt: Es ist egal, ob die Diagnose ADHS, Demenz oder ein Schlaganfall lautet – entscheidend ist, wie stark die Person im Alltag eingeschränkt ist.
Bei leichtem bis mittelschwerem ADHS ohne Begleiterkrankungen reichen die Einschränkungen häufig nicht für einen Pflegegrad. Bei schwerem ADHS – insbesondere in Kombination mit weiteren Erkrankungen – sieht es anders aus:
| Situation | Pflegegrad realistisch? |
|---|---|
| Leichtes ADHS, keine Begleiterkrankungen | Eher nein |
| Mittelschweres ADHS, gute Medikation | Grenzfall – PG 1 möglich |
| Schweres ADHS ohne Begleiterkrankungen | PG 1–2 möglich |
| ADHS + Autismus-Spektrum-Störung | PG 2–3 realistisch |
| ADHS + schwere Depression / Angststörung | PG 1–2 realistisch |
| ADHS + Lernbehinderung + Verhaltensstörung | PG 2–3 realistisch |
Welche Module bei ADHS am meisten punkten
Bei der Begutachtung werden 6 Module bewertet. ADHS wirkt sich vor allem in drei Modulen aus:
| Modul | Gewichtung | Relevanz bei ADHS | Typische Einschränkungen |
|---|---|---|---|
| 2 – Kognition | 15 %* | Hoch | Konzentrationsprobleme, Entscheidungsschwäche, gestörte Handlungsplanung, vergisst Aufgaben |
| 3 – Verhalten | Sehr hoch | Impulsivität, Wutanfälle, Aggressionen, nächtliche Unruhe, oppositionelles Verhalten, Selbstgefährdung | |
| 4 – Selbstversorgung | 40 % | Mittel | Braucht ständige Erinnerung zum Anziehen, Waschen, Essen – nicht weil es nicht geht, sondern weil es vergessen oder abgebrochen wird |
| 5 – Krankheit | 20 % | Mittel | Medikamente vergessen, Arzttermine nicht einhalten, Therapiemitarbeit gestört |
| 6 – Alltag | 15 % | Hoch | Hausaufgaben nicht erledigt, Tagesstruktur bricht zusammen, kann Aufgaben nicht allein planen |
| 1 – Mobilität | 10 % | Gering | ADHS hat meist keine Auswirkung auf die Mobilität |
*Von Modul 2 und 3 fließt nur der höhere Wert in die Gesamtbewertung ein.
💡 Modul 3 ist der Schlüssel
Bei ADHS ist Modul 3 (Verhaltensweisen und psychische Problemlagen) oft der entscheidende Faktor. Impulsivität, Wutanfälle, Weglauftendenz und nächtliche Unruhe bringen viele Punkte – mehr als die kognitiven Einschränkungen in Modul 2.
ADHS bei Kindern: So wird bewertet
Bei Kindern mit Pflegegrad vergleicht der Medizinische Dienst den Hilfebedarf mit dem eines gleichaltrigen gesunden Kindes. Nur der zusätzliche Aufwand – der Mehrbedarf – wird bewertet. Das ist bei ADHS entscheidend, denn viele Verhaltensweisen können auch bei gesunden Kindern vorkommen.
Beispiel: Leon, 8 Jahre, schweres ADHS + oppositionelle Verhaltensstörung
- Kognition: Kann sich keine 5 Minuten konzentrieren, vergisst Aufgaben sofort, braucht ständige Anleitung – deutlich über Altersnorm
- Verhalten: Tägliche Wutanfälle (30+ Min.), Aggressionen gegen Geschwister, Selbstgefährdung, nächtliches Aufwachen – weit über Altersnorm
- Selbstversorgung: Zieht sich nicht selbständig an, vergisst zu essen, bricht Handlungen ab – Mehrbedarf gegenüber gleichaltrigem Kind
- Alltag: Kann Hausaufgaben nicht allein machen, Tagesstruktur nur mit permanenter Anleitung – Mehrbedarf vorhanden
Ergebnis: ca. 35–45 Punkte → Pflegegrad 2
Der Mehrbedarf liegt vor allem in Modul 3 (Verhalten) und Modul 6 (Alltag). Die oppositionelle Verhaltensstörung als Begleiterkrankung macht den Unterschied – ohne sie wäre PG 1 oder kein Pflegegrad wahrscheinlicher.
Pflegegrad vorhanden?
Dann stehen Ihnen bis zu 13 Std. monatliche Hilfe zu!
Hier geht es zum RechnerADHS bei Erwachsenen: Wann ein Pflegegrad realistisch ist
Bei Erwachsenen mit ADHS ist ein Pflegegrad seltener als bei Kindern – aber nicht ausgeschlossen. Entscheidend ist, ob die ADHS so schwer ist, dass die Person im Alltag auf regelmäßige Hilfe angewiesen ist. Typische Konstellationen:
| Situation | Pflegegrad? |
|---|---|
| ADHS, gut eingestellt, berufstätig | Nein – Selbständigkeit erhalten |
| ADHS + schwere Depression, erwerbsgemindert | PG 1–2 möglich |
| ADHS + Autismus-Spektrum + Angststörung | PG 2–3 realistisch |
| ADHS + Suchterkrankung + soziale Isolation | PG 1–2 möglich |
Wichtig: Die Medikation wird berücksichtigt. Der Medizinische Dienst bewertet die Selbständigkeit mit Medikation – nicht ohne. Wenn Medikamente die Symptome gut kontrollieren, sinkt der Pflegebedarf und damit die Chance auf einen Pflegegrad.
Welcher Pflegegrad bei ADHS?
| Pflegegrad | Punkte | Typisch bei ADHS |
|---|---|---|
| PG 1 | 12,5–27 | Leichtes bis mittelschweres ADHS mit Alltagseinschränkungen |
| PG 2 | 27–47,5 | Schweres ADHS mit Begleiterkrankungen, deutlicher Mehrbedarf |
| PG 3 | 47,5–70 | ADHS + Autismus + Verhaltensstörung, umfassender Hilfebedarf |
| PG 4–5 | 70+ | ADHS allein sehr unwahrscheinlich – nur bei schwerer Mehrfachbehinderung |
So beantragen Sie den Pflegegrad bei ADHS
- 1Antrag bei der Pflegekasse stellen: Formlos (telefonisch oder schriftlich). Eine kostenlose Beratung zur Pflegegrad-Beantragung erhalten Sie bei Afilio.
- 2Unterlagen sammeln: ADHS-Diagnose, Berichte von Therapeut:innen, Schulberichte (bei Kindern), Medikamentenplan.
- 3Pflegetagebuch führen: Mindestens 2 Wochen – dokumentieren Sie jede Situation, in der Hilfe nötig war. Nutzen Sie den Fragenkatalog Pflegegrad zur Vorbereitung.
- 4Begutachtung durch den Medizinischen Dienst: Ein Gutachter kommt zu Ihnen nach Hause und bewertet die 6 Module.
- 5Bei Ablehnung: Widerspruch einlegen: Innerhalb eines Monats. In vielen Fällen führt der Widerspruch zu einer Höherstufung.
5 Tipps für die Begutachtung bei ADHS
- 1Den schlechtesten Tag beschreiben – nicht den besten. Viele Eltern spielen die Einschränkungen herunter, weil sie sich schämen oder sich an die Situation gewöhnt haben.
- 2Begleiterkrankungen benennen – Autismus, Depression, Angststörung, Schlafstörung. Jede Diagnose zählt.
- 3Modul 3 betonen – Verhaltensauffälligkeiten bringen bei ADHS die meisten Punkte. Wutanfälle, Impulsdurchbrüche, Selbstgefährdung, nächtliche Unruhe: alles dokumentieren.
- 4Konkrete Zeitangaben machen – „Er braucht morgens 45 Minuten ständige Anleitung zum Anziehen" ist besser als „Er zieht sich nicht allein an".
- 5Berichte vorlegen – Therapeut:innen, Kinderpsychiater, Schulsozialarbeit, SPZ. Je mehr Fachberichte, desto besser die Bewertung.
⚠️ Häufiger Fehler bei ADHS-Begutachtungen
Kinder mit ADHS verhalten sich beim Gutachtertermin oft auffällig ruhig – weil die Situation neu und spannend ist. Der Gutachter sieht dann ein „unauffälliges" Kind. Weisen Sie darauf hin, dass das Verhalten nicht dem Alltag entspricht, und legen Sie das Pflegetagebuch vor.
So hilft JUHI bei ADHS und Pflegegrad
Familien mit einem ADHS-betroffenen Kind oder Erwachsenen stehen unter enormem Druck. Der Alltag ist chaotisch, die Hauswirtschaft bleibt liegen, und die pflegenden Eltern kommen an ihre Grenzen. Wenn ein Pflegegrad bewilligt wird, kann JUHI einen Teil dieser Last übernehmen.
JUHI übernimmt Saugen, Fenster putzen, Einkaufen, Gardinen aufhängen, leichte Gartenarbeiten, Begleitung und Gesellschaft – bis zu 13 volle Stunden Hilfe pro Monat, finanziert über Entlastungsbetrag und Verhinderungspflege, ohne einen Cent Eigenkosten. Unser Stundensatz beträgt 32,75 €* inkl. sämtlicher Kosten.
JUHI ist seit über 8 Jahren von allen Pflegekassen anerkannt – bundesweit in über 30 Städten, darunter Köln, Augsburg, Essen und Dresden. JUHI hilft allen Menschen mit Pflegegrad – unabhängig vom Alter.
Ihren genauen Stundenanspruch zeigt Ihnen der JUHI-Rechner. Stellen Sie gerne eine kurze Anfrage.
Unser Fazit: ADHS allein reicht selten – aber mit Begleiterkrankungen schon
ADHS allein führt in den meisten Fällen nicht zu einem Pflegegrad. Aber in Kombination mit Autismus, schwerer Verhaltensstörung, Depression oder Angststörung ist ein Pflegegrad – meist PG 1 oder 2, bei schweren Fällen PG 3 – realistisch und berechtigt. Entscheidend ist die Begutachtung: Beschreiben Sie den schlechtesten Tag, betonen Sie Modul 3 und legen Sie Fachberichte vor.
Ob die Voraussetzungen in Ihrem Fall erfüllt sein könnten, zeigt Ihnen der Pflegegradrechner als erste Einschätzung.
Häufig gestellte Fragen
Bekommt man bei ADHS automatisch einen Pflegegrad?+
Nein. Die Diagnose ADHS allein reicht nicht. Entscheidend ist, wie stark die Selbständigkeit im Alltag eingeschränkt ist. Bei leichtem ADHS ohne Begleiterkrankungen wird in der Regel kein Pflegegrad vergeben.
Welcher Pflegegrad ist bei ADHS realistisch?+
Am häufigsten Pflegegrad 1 oder 2. Bei schweren Fällen mit Begleiterkrankungen (Autismus, oppositionelle Verhaltensstörung) ist Pflegegrad 3 möglich. Pflegegrad 4 oder 5 durch ADHS allein ist äußerst selten.
Können auch Erwachsene mit ADHS einen Pflegegrad bekommen?+
Ja, wenn die ADHS zusammen mit Begleiterkrankungen die Selbständigkeit im Alltag schwer beeinträchtigt. Bei Erwachsenen mit ADHS + schwerer Depression oder Autismus-Spektrum-Störung ist ein Pflegegrad realistisch.
Wird die Medikation bei der Bewertung berücksichtigt?+
Ja. Der Medizinische Dienst bewertet die Selbständigkeit mit Medikation. Wenn Methylphenidat oder andere ADHS-Medikamente die Symptome gut kontrollieren, sinkt der bewertete Pflegebedarf – und damit die Wahrscheinlichkeit eines höheren Pflegegrads.
Was tun, wenn der Pflegegrad abgelehnt wird?+
Innerhalb eines Monats Widerspruch bei der Pflegekasse einlegen. Legen Sie das Pflegetagebuch vor und betonen Sie die Verhaltensauffälligkeiten (Modul 3). Holen Sie wenn möglich eine ergänzende Stellungnahme von Therapeut:innen oder der Kinderpsychiatrie ein.
Kann JUHI auch Familien mit ADHS-betroffenen Kindern helfen?+
Ja. JUHI hilft allen Menschen mit Pflegegrad – unabhängig vom Alter. Wenn Ihr Kind einen Pflegegrad hat, kann JUHI die Hauswirtschaft übernehmen: Putzen, Einkaufen, Wäsche, Begleitung. Das entlastet die ganze Familie und kostet Sie nichts.
Quellen
- § 15 SGB XI – Ermittlung des Grades der Pflegebedürftigkeit
- § 14 SGB XI – Begriff der Pflegebedürftigkeit
- § 45b SGB XI – Entlastungsbetrag
- Medizinischer Dienst – Pflegebegutachtung
- Bundesministerium für Gesundheit – Leistungen der Pflegeversicherung
- GKV-Spitzenverband – Pflegeleistungen
- AWMF S3-Leitlinie ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen
- Verbraucherzentrale – Pflege zu Hause: Leistungen im Überblick
*In bestimmten Bundesländern ist der Preis etwas niedriger.
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