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Fragenkatalog Pflegegrad: Diese Fragen stellt der Gutachter wirklich

Lina Heimann
Veröffentlicht am:
03.06.2026
Inhaltsverzeichnis â–Č

Die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst entscheidet ĂŒber Ihren Pflegegrad – und damit ĂŒber hunderte Euro monatlich. Doch viele Familien gehen unvorbereitet in den Termin und verschenken Punkte. Der Grund: Sie wissen nicht, welche Fragen kommen.

In diesem Artikel finden Sie den kompletten Fragenkatalog aller 6 Module – die Fragen, die der Gutachter wirklich stellt, mit ErklĂ€rung, worauf es bei jeder Antwort ankommt. Plus: Eine druckbare PDF-Checkliste zum Herunterladen.

Das Wichtigste in KĂŒrze

  • ✓ 6 Module mit insgesamt ĂŒber 60 Einzelfragen – alle hier aufgelistet
  • ✓ Modul 4 (Selbstversorgung) wiegt am schwersten (40 %) – hier fallen die meisten Punkte
  • ✓ Bewertung: 0 = selbststĂ€ndig, 1 = ĂŒberwiegend selbststĂ€ndig, 2 = ĂŒberwiegend unselbststĂ€ndig, 3 = unselbststĂ€ndig
  • ✓ Vorbereitung entscheidet: Wer den schlechtesten Tag schildert und ein Pflegetagebuch fĂŒhrt, bekommt den fairen Pflegegrad
  • ✓ PDF-Checkliste zum Ausdrucken und Vorbereiten – kostenlos zum Download

So lÀuft die Begutachtung ab

Der Gutachter vom Medizinischen Dienst kommt nach Hause (Dauer: ca. 60–90 Minuten) und prĂŒft die SelbststĂ€ndigkeit in 6 Lebensbereichen (Modulen). Er stellt Fragen, beobachtet und fĂŒhrt kurze Praxistests durch. Am Ende ergibt sich eine Punktzahl – und daraus der Pflegegrad:

PflegegradPunkteBeeintrÀchtigung
PG 112,5 – 26,9Geringe
PG 227 – 47,4Erhebliche
PG 347,5 – 69,9Schwere
PG 470 – 89,9Schwerste
PG 590 – 100Schwerste mit besonderen Anforderungen

Modul 1: MobilitÀt (10 % Gewichtung)

Der Gutachter prĂŒft, wie selbststĂ€ndig sich die Person bewegen kann. Jedes Kriterium wird mit 0–3 Punkten bewertet.

#Frage des GutachtersWas er wirklich wissen will
1.1„Können Sie sich im Bett umdrehen und aufsetzen?"Positionswechsel: Drehen, Aufsetzen, an den Bettrand gelangen – allein oder nur mit Hilfe?
1.2„Können Sie aufrecht sitzen, ohne sich festzuhalten?"Stabile Sitzposition: Kippt die Person zur Seite? Braucht sie StĂŒtze?
1.3„Können Sie vom Bett in einen Stuhl oder auf die Toilette wechseln?"Umsetzen: Transfer zwischen Bett, Rollstuhl, Toilette – allein, mit Hilfe oder gar nicht?
1.4„Können Sie sich in der Wohnung von Raum zu Raum bewegen?"Fortbewegen: Zu Fuß, mit Rollator, mit Rollstuhl? Braucht die Person Begleitung?
1.5„Können Sie eine Treppe (Stockwerk) steigen?"Treppensteigen: Allein, am GelĂ€nder, nur mit Hilfe oder gar nicht?

⚠ HĂ€ufiger Fehler: „Ich schaffe das schon"

Viele pflegebedĂŒrftige Menschen spielen ihre EinschrĂ€nkungen herunter – aus Stolz oder Gewohnheit. Sagen Sie nicht: „Ich komme schon zurecht." Sagen Sie: „Ich brauche Hilfe beim Aufstehen, und wenn niemand da ist, bleibe ich im Bett." Der Gutachter kann nur bewerten, was er hört und sieht.

Modul 2: Kognitive und kommunikative FĂ€higkeiten (15 %, kombiniert mit Modul 3)

#Frage des GutachtersWas er wirklich wissen will
2.1„Erkennen Sie Ihre Familienangehörigen?"Personen erkennen: Weiß die Person, wer vor ihr steht?
2.2„Wissen Sie, wo Sie sich gerade befinden?"Örtliche Orientierung: Eigene Wohnung? Stadt? Stockwerk?
2.3„Welcher Tag ist heute? Welcher Monat? Welche Jahreszeit?"Zeitliche Orientierung: Tageszeit, Wochentag, Monat, Jahr
2.4„Was haben Sie heute Morgen gefrĂŒhstĂŒckt?"Erinnern an wesentliche Ereignisse: KurzzeitgedĂ€chtnis
2.5„Können Sie mir erklĂ€ren, wie Sie sich Kaffee machen?"Steuern von Alltagshandlungen: Mehrstufige AblĂ€ufe planen
2.6„Was wĂŒrden Sie anziehen, wenn es draußen regnet?"Treffen von Entscheidungen: AlltĂ€gliche Wahlmöglichkeiten
2.7„Haben Sie verstanden, warum ich heute hier bin?"Verstehen von Sachverhalten: Kann die Person Informationen aufnehmen?
2.8„Was tun Sie, wenn es an der TĂŒr klingelt und Sie niemanden erwarten?"Erkennen von Risiken und Gefahren: Herd, Verkehr, Fremde
2.9„Können Sie mir sagen, wenn Sie Schmerzen haben oder Hunger?"Mitteilen elementarer BedĂŒrfnisse: Hunger, Durst, Schmerz
2.10„Können Sie mir von Ihrem letzten Geburtstag erzĂ€hlen?"Beteiligen an einem GesprĂ€ch: Dialog fĂŒhren, auf Fragen antworten

Modul 3: Verhaltensweisen und psychische Problemlagen (15 %, kombiniert mit Modul 2)

Hier fragt der Gutachter meist die Angehörigen – nicht die betroffene Person selbst. Die Frage lautet immer: Wie hĂ€ufig tritt das Verhalten auf? (nie / selten / mehrmals wöchentlich / tĂ€glich)

#Frage an die AngehörigenBeispiele
3.1„Zeigt Ihr Angehöriger motorische Unruhe?"Zielloses Umherlaufen, Nesteln, Zupfen an Kleidung
3.2„Gibt es nĂ€chtliche Unruhe?"Aufstehen nachts, Umherirren, Schreien, Licht anmachen
3.3„Gibt es selbstschĂ€digendes Verhalten?"Sich kratzen bis es blutet, Essen verweigern, Medikamente ablehnen
3.4„Werden GegenstĂ€nde beschĂ€digt?"Zerreißen, Werfen, Zerstören von Dingen
3.5„Gibt es körperliche Aggression?"Schlagen, Treten, Beißen gegenĂŒber Pflegepersonen
3.6„Gibt es verbale Aggression?"Schreien, Beschimpfen, Drohen
3.7„Werden Pflegemaßnahmen abgelehnt?"Waschen verweigern, Medikamente ausspucken, Inkontinenzversorgung ablehnen
3.8„Gibt es Wahnvorstellungen oder Halluzinationen?"Stimmen hören, Personen sehen, Verfolgungsideen
3.9„Gibt es ausgeprĂ€gte Ängste?"Angst vor dem Alleinsein, vor StĂŒrzen, vor Dunkelheit
3.10„Zeigt Ihr Angehöriger Antriebslosigkeit oder depressive Stimmung?"RĂŒckzug, Apathie, Hoffnungslosigkeit, weint oft
3.11„Gibt es sozial unangemessenes Verhalten?"Distanzlosigkeit, Entkleiden in Gesellschaft, unangemessene Äußerungen

💡 NĂ€chtliche Unruhe nicht vergessen

NĂ€chtliche Unruhe (3.2) ist einer der am hĂ€ufigsten vergessenen Punkte. Wenn die pflegebedĂŒrftige Person 2–3× pro Woche nachts aufwacht und Hilfe braucht, bringt das erhebliche Punkte in Modul 3. Viele Angehörige erwĂ€hnen es nicht, weil es fĂŒr sie „normal" geworden ist.

i Info

Pflegegrad vorhanden?

Dann stehen Ihnen bis zu 13 Std. monatliche Hilfe zu!

Hier geht es zum Rechner

Modul 4: Selbstversorgung (40 % Gewichtung) – Das wichtigste Modul

#Frage des GutachtersWorauf es ankommt
Körperpflege
4.1„Können Sie sich den Oberkörper alleine waschen?"Vorderen Oberkörper: Gesicht, Hals, Arme, Achseln, Brust
4.2„Können Sie sich kĂ€mmen und rasieren?"Auch: Haare waschen, Frisur richten, Bart rasieren
4.3„Können Sie Ihre ZĂ€hne alleine putzen?"Mundpflege: ZĂ€hne, Zahnprothese, MundspĂŒlung
4.4„Können Sie sich alleine duschen oder baden?"Ganzkörperpflege: Duschen, Baden, Abtrocknen
4.5„Können Sie sich den Intimbereich alleine waschen?"Intimpflege: Unangenehm, aber entscheidend – ehrlich antworten
An- und Auskleiden
4.6„Können Sie sich den Oberkörper alleine anziehen?"Hemd, Pullover, BH – Knöpfe, ReißverschlĂŒsse
4.7„Können Sie sich den Unterkörper alleine anziehen?"Hose, Socken, Schuhe, KompressionsstrĂŒmpfe
ErnÀhrung
4.8„Können Sie Ihr Essen mundgerecht zubereiten?"Brot schmieren, Fleisch schneiden, Obst schĂ€len – nicht Kochen!
4.9„Können Sie alleine essen?"Besteck nutzen, zum Mund fĂŒhren, Kauen und Schlucken
4.10„Können Sie alleine trinken?"Glas halten, zum Mund fĂŒhren, ausreichend trinken
Ausscheidung
4.11„Können Sie die Toilette alleine benutzen?"Hinsetzen, Aufstehen, Kleidung öffnen/schließen, reinigen
4.12„Gibt es Probleme mit der Harnkontinenz?"Inkontinenz: HĂ€ufigkeit, Art (Drang, Belastung), Hilfsmittel
4.13„Gibt es Probleme mit der Stuhlkontinenz?"Stuhlinkontinenz: HĂ€ufigkeit, Versorgung (Einlagen, Stoma)

⚠ Inkontinenz nicht verschweigen

Inkontinenz ist das Thema, das am hĂ€ufigsten verschwiegen oder verharmlost wird – aus Scham. Aber Inkontinenzversorgung bringt erhebliche Punkte in Modul 4. Wenn regelmĂ€ĂŸig Einlagen gewechselt oder Kleidung gereinigt werden muss, gehört das in die Begutachtung.

Modul 5: BewÀltigung von krankheitsbedingten Anforderungen (20 %)

Hier zĂ€hlt die HĂ€ufigkeit von Maßnahmen – je öfter, desto mehr Punkte:

#Frage des GutachtersWorauf es ankommt
5.1„Welche Medikamente werden genommen und wie oft?"Richten, Einteilen, Einnehmen – Tabletten, Tropfen, Insulin, Spritzen
5.2„Gibt es regelmĂ€ĂŸige Verbandswechsel?"Wundversorgung, Dekubitus-Pflege, KompressionsverbĂ€nde
5.3„Wie oft gehen Sie zum Arzt?"RegelmĂ€ĂŸige Arztbesuche, Begleitung nötig? Wie viele Ärzte?
5.4„Gibt es Therapien zu Hause?"Physiotherapie, Ergotherapie, LogopĂ€die – wie oft pro Woche?
5.5„MĂŒssen KompressionsstrĂŒmpfe an- und ausgezogen werden?"Oft vergessen – bringt regelmĂ€ĂŸige Punkte (2× tĂ€glich = erheblich)
5.6„Gibt es besondere ErnĂ€hrungsanforderungen?"DiĂ€t (Diabetes), FlĂŒssigkeitskontrolle, Sondenkost
5.7„Werden Blutzucker, Blutdruck oder andere Werte kontrolliert?"Selbstmessung oder Hilfe nötig? Wie oft?

Modul 6: Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte (15 %)

#Frage des GutachtersWorauf es ankommt
6.1„Wie sieht ein typischer Tag bei Ihnen aus?"Gestaltung des Tagesablaufs: Gibt es Struktur oder verbringt die Person den Tag im Bett/Sessel?
6.2„Können Sie selbststĂ€ndig zu Bett gehen und aufstehen?"Ruhen und Schlafen: Schlaf-Wach-Rhythmus, nĂ€chtliche UnterstĂŒtzung
6.3„Wie beschĂ€ftigen Sie sich tagsĂŒber?"Sich beschĂ€ftigen: Findet die Person selbst BeschĂ€ftigung oder braucht sie Anregung?
6.4„Können Sie noch selbst planen – z. B. einen Arzttermin?"Zukunftsplanung: Termine, Finanzen, grĂ¶ĂŸere Entscheidungen
6.5„Haben Sie noch regelmĂ€ĂŸig Kontakt zu anderen Menschen?"Interaktion mit Personen: Kontakte im direkten Umfeld
6.6„Können Sie das Haus verlassen und Freunde besuchen?"Kontaktpflege außerhalb: Kann die Person soziale Kontakte außerhalb pflegen?

7 Tipps fĂŒr die Begutachtung

  1. 1Den schlechtesten Tag schildern: Nicht den Tag, an dem es zufĂ€llig gut lĂ€uft. Der Gutachter sieht einen Moment – Sie leben den Alltag.
  2. 2Pflegetagebuch fĂŒhren: 2–4 Wochen lang dokumentieren, was alleine geht und wo Hilfe nötig ist. Das PDF zum Herunterladen hilft dabei.
  3. 3Angehörige mĂŒssen dabei sein: Sie kennen den Alltag besser als der PflegebedĂŒrftige selbst – und korrigieren Verharmlosungen.
  4. 4Arztberichte bereitlegen: Diagnosen, Medikamentenlisten, Therapieberichte – alles, was den Pflegebedarf belegt.
  5. 5Nicht aufrĂ€umen: Zeigen Sie den Alltag, wie er wirklich ist – nicht die Sonntagsversion.
  6. 6Nachts und psychische Belastung erwĂ€hnen: Schlafstörungen, nĂ€chtliche Unruhe, Depression – wird am hĂ€ufigsten vergessen.
  7. 7Bei zu niedrigem Ergebnis: Widerspruch innerhalb von 4 Wochen. Gutachten anfordern und Modul fĂŒr Modul prĂŒfen.

💡 Vorab einschĂ€tzen

Mit dem Pflegegradrechner können Sie vorab einschÀtzen, welcher Pflegegrad wahrscheinlich ist. Wer Hilfe beim Antrag braucht, findet bei Afilio eine kostenlose Anleitung.

So hilft JUHI nach dem Pflegegrad

Sobald der Pflegegrad steht, können Sie sofort professionelle Hilfe im Alltag und Haushalt in Anspruch nehmen. Bei JUHI sind wir seit ĂŒber 8 Jahren von allen Pflegekassen anerkannt – bundesweit in ĂŒber 30 StĂ€dten, darunter Berlin, Köln, Augsburg und Leipzig. Das sind bei JUHI bis zu 13 volle Stunden Hilfe pro Monat – Fenster putzen, Saugen, Einkaufen, Gardinen aufhĂ€ngen, Begleitung und Gesellschaft. Unser Stundensatz betrĂ€gt 32,75 €* inkl. sĂ€mtlicher Kosten. Bei gesetzlicher Versicherung entstehen keine Eigenkosten.

Eine kurze Anfrage genĂŒgt, und wir klĂ€ren telefonisch, welche Stunden Ihnen ĂŒber die Pflegekasse zustehen. Ihren genauen Stundenanspruch können Sie vorab im JUHI-Rechner berechnen.

HĂ€ufig gestellte Fragen

Wie lange dauert die Begutachtung?+

In der Regel 60–90 Minuten. Der Gutachter geht alle 6 Module durch, stellt Fragen, beobachtet und fĂŒhrt kurze Tests durch. Nehmen Sie sich genug Zeit und lassen Sie sich nicht hetzen.

Welches Modul ist am wichtigsten?+

Modul 4 (Selbstversorgung) mit 40 % Gewichtung. Alles rund um Waschen, Anziehen, Essen und Toilette zĂ€hlt am meisten. Danach Modul 5 (Krankheit) mit 20 % – Medikamente, Therapien und Arztbesuche.

Muss ich die Fragen auswendig kennen?+

Nein. Der Gutachter fĂŒhrt das GesprĂ€ch. Aber wenn Sie die Fragen kennen, können Sie sich gezielt vorbereiten – und nichts vergessen. Nutzen Sie die PDF-Checkliste zum Ausdrucken.

Was passiert, wenn der Pflegegrad abgelehnt wird?+

Widerspruch einlegen – innerhalb von 4 Wochen, per Brief an die Pflegekasse. Gutachten anfordern und Modul fĂŒr Modul mit dem tatsĂ€chlichen Alltag vergleichen. Rund ein Drittel aller WidersprĂŒche ist erfolgreich.

Darf der Gutachter in mein Schlafzimmer?+

Nein, der Gutachter hat kein Durchsuchungsrecht. Er darf sich aber die Wohnsituation anschauen – Badezimmer, Hilfsmittel, Treppen. Das hilft bei der EinschĂ€tzung. Sie dĂŒrfen jederzeit RĂ€ume ausschließen.

Kann ich die Begutachtung verschieben?+

Ja. Wenn der angekĂŒndigte Termin ungĂŒnstig ist (z. B. kein Angehöriger anwesend), können Sie beim Medizinischen Dienst anrufen und verschieben. Das ist Ihr gutes Recht und verzögert das Verfahren nur minimal.

Quellen

  1. § 15 SGB XI – Ermittlung des Grades der PflegebedĂŒrftigkeit
  2. § 14 SGB XI – Begriff der PflegebedĂŒrftigkeit
  3. Medizinischer Dienst – Pflegebegutachtung
  4. Medizinischer Dienst – Begutachtungsrichtlinien (BRi)
  5. Bundesministerium fĂŒr Gesundheit – PflegebedĂŒrftigkeit
  6. GKV-Spitzenverband – Pflegeleistungen
  7. Verbraucherzentrale – Pflege zu Hause: Leistungen im Überblick
  8. Bekanntmachung der ab 1.1.2025 geltenden LeistungsbetrÀge

*In bestimmten BundeslÀndern ist der Preis etwas niedriger.

Die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst entscheidet ĂŒber Ihren Pflegegrad – und damit ĂŒber hunderte Euro monatlich. Doch viele Familien gehen unvorbereitet in den Termin und verschenken Punkte. Der Grund: Sie wissen nicht, welche Fragen kommen.

In diesem Artikel finden Sie den kompletten Fragenkatalog aller 6 Module – die Fragen, die der Gutachter wirklich stellt, mit ErklĂ€rung, worauf es bei jeder Antwort ankommt. Plus: Eine druckbare PDF-Checkliste zum Herunterladen.

Das Wichtigste in KĂŒrze

  • ✓ 6 Module mit insgesamt ĂŒber 60 Einzelfragen – alle hier aufgelistet
  • ✓ Modul 4 (Selbstversorgung) wiegt am schwersten (40 %) – hier fallen die meisten Punkte
  • ✓ Bewertung: 0 = selbststĂ€ndig, 1 = ĂŒberwiegend selbststĂ€ndig, 2 = ĂŒberwiegend unselbststĂ€ndig, 3 = unselbststĂ€ndig
  • ✓ Vorbereitung entscheidet: Wer den schlechtesten Tag schildert und ein Pflegetagebuch fĂŒhrt, bekommt den fairen Pflegegrad
  • ✓ PDF-Checkliste zum Ausdrucken und Vorbereiten – kostenlos zum Download

So lÀuft die Begutachtung ab

Der Gutachter vom Medizinischen Dienst kommt nach Hause (Dauer: ca. 60–90 Minuten) und prĂŒft die SelbststĂ€ndigkeit in 6 Lebensbereichen (Modulen). Er stellt Fragen, beobachtet und fĂŒhrt kurze Praxistests durch. Am Ende ergibt sich eine Punktzahl – und daraus der Pflegegrad:

PflegegradPunkteBeeintrÀchtigung
PG 112,5 – 26,9Geringe
PG 227 – 47,4Erhebliche
PG 347,5 – 69,9Schwere
PG 470 – 89,9Schwerste
PG 590 – 100Schwerste mit besonderen Anforderungen

Modul 1: MobilitÀt (10 % Gewichtung)

Der Gutachter prĂŒft, wie selbststĂ€ndig sich die Person bewegen kann. Jedes Kriterium wird mit 0–3 Punkten bewertet.

#Frage des GutachtersWas er wirklich wissen will
1.1„Können Sie sich im Bett umdrehen und aufsetzen?"Positionswechsel: Drehen, Aufsetzen, an den Bettrand gelangen – allein oder nur mit Hilfe?
1.2„Können Sie aufrecht sitzen, ohne sich festzuhalten?"Stabile Sitzposition: Kippt die Person zur Seite? Braucht sie StĂŒtze?
1.3„Können Sie vom Bett in einen Stuhl oder auf die Toilette wechseln?"Umsetzen: Transfer zwischen Bett, Rollstuhl, Toilette – allein, mit Hilfe oder gar nicht?
1.4„Können Sie sich in der Wohnung von Raum zu Raum bewegen?"Fortbewegen: Zu Fuß, mit Rollator, mit Rollstuhl? Braucht die Person Begleitung?
1.5„Können Sie eine Treppe (Stockwerk) steigen?"Treppensteigen: Allein, am GelĂ€nder, nur mit Hilfe oder gar nicht?

⚠ HĂ€ufiger Fehler: „Ich schaffe das schon"

Viele pflegebedĂŒrftige Menschen spielen ihre EinschrĂ€nkungen herunter – aus Stolz oder Gewohnheit. Sagen Sie nicht: „Ich komme schon zurecht." Sagen Sie: „Ich brauche Hilfe beim Aufstehen, und wenn niemand da ist, bleibe ich im Bett." Der Gutachter kann nur bewerten, was er hört und sieht.

Modul 2: Kognitive und kommunikative FĂ€higkeiten (15 %, kombiniert mit Modul 3)

#Frage des GutachtersWas er wirklich wissen will
2.1„Erkennen Sie Ihre Familienangehörigen?"Personen erkennen: Weiß die Person, wer vor ihr steht?
2.2„Wissen Sie, wo Sie sich gerade befinden?"Örtliche Orientierung: Eigene Wohnung? Stadt? Stockwerk?
2.3„Welcher Tag ist heute? Welcher Monat? Welche Jahreszeit?"Zeitliche Orientierung: Tageszeit, Wochentag, Monat, Jahr
2.4„Was haben Sie heute Morgen gefrĂŒhstĂŒckt?"Erinnern an wesentliche Ereignisse: KurzzeitgedĂ€chtnis
2.5„Können Sie mir erklĂ€ren, wie Sie sich Kaffee machen?"Steuern von Alltagshandlungen: Mehrstufige AblĂ€ufe planen
2.6„Was wĂŒrden Sie anziehen, wenn es draußen regnet?"Treffen von Entscheidungen: AlltĂ€gliche Wahlmöglichkeiten
2.7„Haben Sie verstanden, warum ich heute hier bin?"Verstehen von Sachverhalten: Kann die Person Informationen aufnehmen?
2.8„Was tun Sie, wenn es an der TĂŒr klingelt und Sie niemanden erwarten?"Erkennen von Risiken und Gefahren: Herd, Verkehr, Fremde
2.9„Können Sie mir sagen, wenn Sie Schmerzen haben oder Hunger?"Mitteilen elementarer BedĂŒrfnisse: Hunger, Durst, Schmerz
2.10„Können Sie mir von Ihrem letzten Geburtstag erzĂ€hlen?"Beteiligen an einem GesprĂ€ch: Dialog fĂŒhren, auf Fragen antworten

Modul 3: Verhaltensweisen und psychische Problemlagen (15 %, kombiniert mit Modul 2)

Hier fragt der Gutachter meist die Angehörigen – nicht die betroffene Person selbst. Die Frage lautet immer: Wie hĂ€ufig tritt das Verhalten auf? (nie / selten / mehrmals wöchentlich / tĂ€glich)

#Frage an die AngehörigenBeispiele
3.1„Zeigt Ihr Angehöriger motorische Unruhe?"Zielloses Umherlaufen, Nesteln, Zupfen an Kleidung
3.2„Gibt es nĂ€chtliche Unruhe?"Aufstehen nachts, Umherirren, Schreien, Licht anmachen
3.3„Gibt es selbstschĂ€digendes Verhalten?"Sich kratzen bis es blutet, Essen verweigern, Medikamente ablehnen
3.4„Werden GegenstĂ€nde beschĂ€digt?"Zerreißen, Werfen, Zerstören von Dingen
3.5„Gibt es körperliche Aggression?"Schlagen, Treten, Beißen gegenĂŒber Pflegepersonen
3.6„Gibt es verbale Aggression?"Schreien, Beschimpfen, Drohen
3.7„Werden Pflegemaßnahmen abgelehnt?"Waschen verweigern, Medikamente ausspucken, Inkontinenzversorgung ablehnen
3.8„Gibt es Wahnvorstellungen oder Halluzinationen?"Stimmen hören, Personen sehen, Verfolgungsideen
3.9„Gibt es ausgeprĂ€gte Ängste?"Angst vor dem Alleinsein, vor StĂŒrzen, vor Dunkelheit
3.10„Zeigt Ihr Angehöriger Antriebslosigkeit oder depressive Stimmung?"RĂŒckzug, Apathie, Hoffnungslosigkeit, weint oft
3.11„Gibt es sozial unangemessenes Verhalten?"Distanzlosigkeit, Entkleiden in Gesellschaft, unangemessene Äußerungen

💡 NĂ€chtliche Unruhe nicht vergessen

NĂ€chtliche Unruhe (3.2) ist einer der am hĂ€ufigsten vergessenen Punkte. Wenn die pflegebedĂŒrftige Person 2–3× pro Woche nachts aufwacht und Hilfe braucht, bringt das erhebliche Punkte in Modul 3. Viele Angehörige erwĂ€hnen es nicht, weil es fĂŒr sie „normal" geworden ist.

i Info

Pflegegrad vorhanden?

Dann stehen Ihnen bis zu 13 Std. monatliche Hilfe zu!

Hier geht es zum Rechner

Modul 4: Selbstversorgung (40 % Gewichtung) – Das wichtigste Modul

#Frage des GutachtersWorauf es ankommt
Körperpflege
4.1„Können Sie sich den Oberkörper alleine waschen?"Vorderen Oberkörper: Gesicht, Hals, Arme, Achseln, Brust
4.2„Können Sie sich kĂ€mmen und rasieren?"Auch: Haare waschen, Frisur richten, Bart rasieren
4.3„Können Sie Ihre ZĂ€hne alleine putzen?"Mundpflege: ZĂ€hne, Zahnprothese, MundspĂŒlung
4.4„Können Sie sich alleine duschen oder baden?"Ganzkörperpflege: Duschen, Baden, Abtrocknen
4.5„Können Sie sich den Intimbereich alleine waschen?"Intimpflege: Unangenehm, aber entscheidend – ehrlich antworten
An- und Auskleiden
4.6„Können Sie sich den Oberkörper alleine anziehen?"Hemd, Pullover, BH – Knöpfe, ReißverschlĂŒsse
4.7„Können Sie sich den Unterkörper alleine anziehen?"Hose, Socken, Schuhe, KompressionsstrĂŒmpfe
ErnÀhrung
4.8„Können Sie Ihr Essen mundgerecht zubereiten?"Brot schmieren, Fleisch schneiden, Obst schĂ€len – nicht Kochen!
4.9„Können Sie alleine essen?"Besteck nutzen, zum Mund fĂŒhren, Kauen und Schlucken
4.10„Können Sie alleine trinken?"Glas halten, zum Mund fĂŒhren, ausreichend trinken
Ausscheidung
4.11„Können Sie die Toilette alleine benutzen?"Hinsetzen, Aufstehen, Kleidung öffnen/schließen, reinigen
4.12„Gibt es Probleme mit der Harnkontinenz?"Inkontinenz: HĂ€ufigkeit, Art (Drang, Belastung), Hilfsmittel
4.13„Gibt es Probleme mit der Stuhlkontinenz?"Stuhlinkontinenz: HĂ€ufigkeit, Versorgung (Einlagen, Stoma)

⚠ Inkontinenz nicht verschweigen

Inkontinenz ist das Thema, das am hĂ€ufigsten verschwiegen oder verharmlost wird – aus Scham. Aber Inkontinenzversorgung bringt erhebliche Punkte in Modul 4. Wenn regelmĂ€ĂŸig Einlagen gewechselt oder Kleidung gereinigt werden muss, gehört das in die Begutachtung.

Modul 5: BewÀltigung von krankheitsbedingten Anforderungen (20 %)

Hier zĂ€hlt die HĂ€ufigkeit von Maßnahmen – je öfter, desto mehr Punkte:

#Frage des GutachtersWorauf es ankommt
5.1„Welche Medikamente werden genommen und wie oft?"Richten, Einteilen, Einnehmen – Tabletten, Tropfen, Insulin, Spritzen
5.2„Gibt es regelmĂ€ĂŸige Verbandswechsel?"Wundversorgung, Dekubitus-Pflege, KompressionsverbĂ€nde
5.3„Wie oft gehen Sie zum Arzt?"RegelmĂ€ĂŸige Arztbesuche, Begleitung nötig? Wie viele Ärzte?
5.4„Gibt es Therapien zu Hause?"Physiotherapie, Ergotherapie, LogopĂ€die – wie oft pro Woche?
5.5„MĂŒssen KompressionsstrĂŒmpfe an- und ausgezogen werden?"Oft vergessen – bringt regelmĂ€ĂŸige Punkte (2× tĂ€glich = erheblich)
5.6„Gibt es besondere ErnĂ€hrungsanforderungen?"DiĂ€t (Diabetes), FlĂŒssigkeitskontrolle, Sondenkost
5.7„Werden Blutzucker, Blutdruck oder andere Werte kontrolliert?"Selbstmessung oder Hilfe nötig? Wie oft?

Modul 6: Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte (15 %)

#Frage des GutachtersWorauf es ankommt
6.1„Wie sieht ein typischer Tag bei Ihnen aus?"Gestaltung des Tagesablaufs: Gibt es Struktur oder verbringt die Person den Tag im Bett/Sessel?
6.2„Können Sie selbststĂ€ndig zu Bett gehen und aufstehen?"Ruhen und Schlafen: Schlaf-Wach-Rhythmus, nĂ€chtliche UnterstĂŒtzung
6.3„Wie beschĂ€ftigen Sie sich tagsĂŒber?"Sich beschĂ€ftigen: Findet die Person selbst BeschĂ€ftigung oder braucht sie Anregung?
6.4„Können Sie noch selbst planen – z. B. einen Arzttermin?"Zukunftsplanung: Termine, Finanzen, grĂ¶ĂŸere Entscheidungen
6.5„Haben Sie noch regelmĂ€ĂŸig Kontakt zu anderen Menschen?"Interaktion mit Personen: Kontakte im direkten Umfeld
6.6„Können Sie das Haus verlassen und Freunde besuchen?"Kontaktpflege außerhalb: Kann die Person soziale Kontakte außerhalb pflegen?

7 Tipps fĂŒr die Begutachtung

  1. 1Den schlechtesten Tag schildern: Nicht den Tag, an dem es zufĂ€llig gut lĂ€uft. Der Gutachter sieht einen Moment – Sie leben den Alltag.
  2. 2Pflegetagebuch fĂŒhren: 2–4 Wochen lang dokumentieren, was alleine geht und wo Hilfe nötig ist. Das PDF zum Herunterladen hilft dabei.
  3. 3Angehörige mĂŒssen dabei sein: Sie kennen den Alltag besser als der PflegebedĂŒrftige selbst – und korrigieren Verharmlosungen.
  4. 4Arztberichte bereitlegen: Diagnosen, Medikamentenlisten, Therapieberichte – alles, was den Pflegebedarf belegt.
  5. 5Nicht aufrĂ€umen: Zeigen Sie den Alltag, wie er wirklich ist – nicht die Sonntagsversion.
  6. 6Nachts und psychische Belastung erwĂ€hnen: Schlafstörungen, nĂ€chtliche Unruhe, Depression – wird am hĂ€ufigsten vergessen.
  7. 7Bei zu niedrigem Ergebnis: Widerspruch innerhalb von 4 Wochen. Gutachten anfordern und Modul fĂŒr Modul prĂŒfen.

💡 Vorab einschĂ€tzen

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So hilft JUHI nach dem Pflegegrad

Sobald der Pflegegrad steht, können Sie sofort professionelle Hilfe im Alltag und Haushalt in Anspruch nehmen. Bei JUHI sind wir seit ĂŒber 8 Jahren von allen Pflegekassen anerkannt – bundesweit in ĂŒber 30 StĂ€dten, darunter Berlin, Köln, Augsburg und Leipzig. Das sind bei JUHI bis zu 13 volle Stunden Hilfe pro Monat – Fenster putzen, Saugen, Einkaufen, Gardinen aufhĂ€ngen, Begleitung und Gesellschaft. Unser Stundensatz betrĂ€gt 32,75 €* inkl. sĂ€mtlicher Kosten. Bei gesetzlicher Versicherung entstehen keine Eigenkosten.

Eine kurze Anfrage genĂŒgt, und wir klĂ€ren telefonisch, welche Stunden Ihnen ĂŒber die Pflegekasse zustehen. Ihren genauen Stundenanspruch können Sie vorab im JUHI-Rechner berechnen.

HĂ€ufig gestellte Fragen

Wie lange dauert die Begutachtung?+

In der Regel 60–90 Minuten. Der Gutachter geht alle 6 Module durch, stellt Fragen, beobachtet und fĂŒhrt kurze Tests durch. Nehmen Sie sich genug Zeit und lassen Sie sich nicht hetzen.

Welches Modul ist am wichtigsten?+

Modul 4 (Selbstversorgung) mit 40 % Gewichtung. Alles rund um Waschen, Anziehen, Essen und Toilette zĂ€hlt am meisten. Danach Modul 5 (Krankheit) mit 20 % – Medikamente, Therapien und Arztbesuche.

Muss ich die Fragen auswendig kennen?+

Nein. Der Gutachter fĂŒhrt das GesprĂ€ch. Aber wenn Sie die Fragen kennen, können Sie sich gezielt vorbereiten – und nichts vergessen. Nutzen Sie die PDF-Checkliste zum Ausdrucken.

Was passiert, wenn der Pflegegrad abgelehnt wird?+

Widerspruch einlegen – innerhalb von 4 Wochen, per Brief an die Pflegekasse. Gutachten anfordern und Modul fĂŒr Modul mit dem tatsĂ€chlichen Alltag vergleichen. Rund ein Drittel aller WidersprĂŒche ist erfolgreich.

Darf der Gutachter in mein Schlafzimmer?+

Nein, der Gutachter hat kein Durchsuchungsrecht. Er darf sich aber die Wohnsituation anschauen – Badezimmer, Hilfsmittel, Treppen. Das hilft bei der EinschĂ€tzung. Sie dĂŒrfen jederzeit RĂ€ume ausschließen.

Kann ich die Begutachtung verschieben?+

Ja. Wenn der angekĂŒndigte Termin ungĂŒnstig ist (z. B. kein Angehöriger anwesend), können Sie beim Medizinischen Dienst anrufen und verschieben. Das ist Ihr gutes Recht und verzögert das Verfahren nur minimal.

Quellen

  1. § 15 SGB XI – Ermittlung des Grades der PflegebedĂŒrftigkeit
  2. § 14 SGB XI – Begriff der PflegebedĂŒrftigkeit
  3. Medizinischer Dienst – Pflegebegutachtung
  4. Medizinischer Dienst – Begutachtungsrichtlinien (BRi)
  5. Bundesministerium fĂŒr Gesundheit – PflegebedĂŒrftigkeit
  6. GKV-Spitzenverband – Pflegeleistungen
  7. Verbraucherzentrale – Pflege zu Hause: Leistungen im Überblick
  8. Bekanntmachung der ab 1.1.2025 geltenden LeistungsbetrÀge

*In bestimmten BundeslÀndern ist der Preis etwas niedriger.

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