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Pflegegrad bei Demenz im Frühstadium: Was drin ist

Lina Heimann
Veröffentlicht am:
09.07.2026
Inhaltsverzeichnis

Die Diagnose ist gestellt, aber äußerlich wirkt alles noch normal: Der Vater geht spazieren, kocht sich Kaffee, führt Gespräche. Nur eben findet er den Weg vom Bäcker nicht mehr zuverlässig zurück und ruft dreimal am Tag mit derselben Frage an. In dieser Phase stellen sich Familien die Frage, ob überhaupt schon ein Pflegegrad infrage kommt.

Die Antwort überrascht viele: Ja – und häufig mehr, als erwartet. Weil das Begutachtungsverfahren seit 2017 kognitive Einschränkungen gleichwertig zu körperlichen bewertet, erreichen Menschen mit einer beginnenden Demenz oft Pflegegrad 2, obwohl sie körperlich noch völlig fit sind.

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Frühstadium ist meist Pflegegrad 1 oder 2 realistisch – bei ausgeprägten Alltagsproblemen auch mehr
  • Körperliche Fitness ist kein Hindernis – Demenz punktet über die Module 2, 4, 5 und 6
  • Beaufsichtigung und Anleitung zählen genauso viel wie körperliche Handreichung
  • Früh beantragen lohnt sich: Leistungen gelten rückwirkend ab dem Antragsmonat
  • Eine Herabstufung ist praktisch ausgeschlossen – Demenz schreitet fort, Verbesserungen sind nicht zu erwarten

Was bedeutet „Frühstadium"?

Mediziner unterscheiden grob drei Phasen. Im Frühstadium bleibt die Persönlichkeit weitgehend erhalten, und viele Betroffene können ihre Defizite noch gut überspielen – gerade gegenüber Fremden. Typisch sind:

  • Kurzzeitgedächtnis lässt nach – dieselbe Frage mehrfach, Termine werden vergessen, Gegenstände verlegt
  • Orientierung wird unsicher – bekannte Wege werden zum Problem, Wochentag und Datum sind unklar
  • Komplexe Handlungen zerfallen – Kochen, Bankgeschäfte, Formulare gelingen nicht mehr allein
  • Rückzug und Antriebsverlust – Hobbys werden aufgegeben, Kontakte schlafen ein
  • Medikamenteneinnahme wird unzuverlässig – doppelt genommen oder ganz vergessen

Was im Frühstadium meist noch funktioniert: Waschen, Ankleiden, Essen und Gehen. Genau deshalb glauben viele Angehörige, ein Pflegegrad käme noch nicht infrage. Weitere Hinweise auf Veränderungen finden Sie unter psychische Veränderungen im Alter.

Welcher Pflegegrad ist realistisch?

SituationRealistisch
Leichte Vergesslichkeit, Alltag läuft weitgehend selbständig, keine Aufsicht nötigPflegegrad 1
Erinnerung an Medikamente und Termine nötig, Tagesstruktur bricht ohne Anstoß zusammenPflegegrad 2
Zusätzlich Aufforderung bei Körperpflege und Ankleiden erforderlichPflegegrad 2
Ständige Beaufsichtigung nötig, nächtliche Unruhe, WeglauftendenzPflegegrad 3
Nur noch Erkennen naher Angehöriger, vollständige Übernahme aller VerrichtungenPflegegrad 4 bis 5

Der Übergang von Pflegegrad 1 zu 2 verläuft dort, wo regelmäßige Anleitung und Erinnerung nötig werden. Das ist im Frühstadium bereits häufig der Fall – wird von Familien aber oft nicht als „Pflege" wahrgenommen.

Warum Demenz gut punktet

Bis 2016 galten die alten Pflegestufen, und die maßen fast ausschließlich körperlichen Hilfebedarf in Minuten. Menschen mit Demenz gingen dabei regelmäßig leer aus. Seit 2017 werden kognitive Einschränkungen gleichwertig bewertet – das hat die Situation grundlegend verändert:

ModulGewichtWas bei Demenz zählt
1 – Mobilität10 %Im Frühstadium meist unauffällig
2 – Kognition15 %*Orientierung, Gedächtnis, Entscheidungen, Gespräche führen
3 – VerhaltenNächtliche Unruhe, Ängste, Abwehr bei der Pflege
4 – Selbstversorgung40 %Aufforderung und Anleitung zählen wie körperliche Hilfe
5 – Krankheit20 %Medikamente stellen und kontrollieren, Arzttermine organisieren
6 – Alltag15 %Tagesablauf planen, Kontakte pflegen, sich beschäftigen

*Von Modul 2 und 3 fließt nur der höhere Wert ein. Die vollständige Umrechnung steht in der Pflegegrad-Punkte-Tabelle.

💡 Der entscheidende Satz im Begutachtungsrecht

Selbständig ist nur, wer eine Tätigkeit ohne personelle Unterstützung durchführen kann. Als Unterstützung gilt ausdrücklich auch Anleiten, Beaufsichtigen und Motivieren. Wer also nur duscht, wenn er dreimal dazu aufgefordert wird, gilt in diesem Bereich nicht als selbständig – auch wenn er körperlich alles allein könnte.

Fallbeispiel: Frau Sander, 76 Jahre

Diagnose: Alzheimer-Demenz im Anfangsstadium, seit acht Monaten bekannt. Zusätzlich Bluthochdruck und Schilddrüsenunterfunktion.

Wohnsituation: Lebt allein, die Tochter wohnt zwei Straßen weiter und schaut täglich vorbei.

Der Alltag: Frau Sander geht noch selbst einkaufen, kauft aber Dinge, die sie längst hat, und vergisst, was fehlt. Sie kocht nicht mehr, seit sie zweimal den Herd angelassen hat. Duschen würde sie tagelang nicht, wenn die Tochter nicht darauf besteht und alles bereitlegt. Ihre fünf Medikamente stellt die Tochter wöchentlich vor. Termine schreibt sie sich auf, findet die Zettel aber nicht wieder. Nachmittags sitzt sie meist im Sessel, ohne Fernsehen oder Radio anzumachen.

ModulBewertungGewichtete Punkte
1 – MobilitätKörperlich selbständig, geht täglich spazieren0,0
2 – KognitionZeitliche Orientierung gestört, Gedächtnis deutlich eingeschränkt, Entscheidungen im Alltag nicht mehr möglich7,5
3 – VerhaltenBisher keine Auffälligkeiten (Modul 2 wird gewertet)
4 – SelbstversorgungKörperpflege nur nach mehrfacher Aufforderung, Kleidung wird ohne Hinweis nicht gewechselt, Mahlzeiten müssen bereitgestellt werden15,0
5 – KrankheitMedikamente werden gestellt und kontrolliert, Arzttermine organisiert und begleitet10,0
6 – AlltagTagesablauf wird nicht mehr selbst strukturiert, keine eigenständige Beschäftigung, Kontakte eingeschlafen7,5
Gesamtergebnis40,0 Punkte → Pflegegrad 2

Bemerkenswert: Frau Sander erreicht null Punkte in der Mobilität und trotzdem 40 von 47,5 möglichen Punkten für Pflegegrad 3. Ihr gesamter Bedarf entsteht aus Anleitung, Erinnerung und Übernahme organisatorischer Aufgaben. Weitere Rechenbeispiele finden Sie unter Pflegegrad 2 Fallbeispiel.

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Pflegegrad vorhanden?

Dann stehen Ihnen bis zu 13 Std. monatliche Hilfe zu!

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Die 5 häufigsten Fehler bei der Begutachtung

Bei Demenz im Frühstadium fallen Begutachtungen besonders oft zu niedrig aus. Die Gründe sind fast immer dieselben:

  1. 1Die Fassade hält. Menschen mit beginnender Demenz überspielen ihre Defizite gegenüber Fremden oft erstaunlich gut. Sie antworten freundlich, wirken orientiert – und wirken dadurch selbständiger, als sie sind.
  2. 2Niemand widerspricht. Wenn die Mutter sagt „Ich mache alles selbst", trauen sich viele Angehörige nicht, das im Beisein zu korrigieren. Klären Sie das vorher – oder bitten Sie um ein kurzes Gespräch unter vier Augen mit dem Gutachter.
  3. 3Anleitung wird nicht als Hilfe gezählt. „Waschen kann sie noch selbst" ist falsch, wenn es ohne dreimalige Aufforderung nicht passiert. Formulieren Sie es genau so: Sie führt es aus, aber nur nach wiederholter Aufforderung und Bereitlegen der Sachen.
  4. 4Modul 5 fehlt komplett. Medikamente stellen, Arzttermine vereinbaren und begleiten, Rezepte holen – das sind bis zu 20 % des Ergebnisses und wird regelmäßig nicht erwähnt.
  5. 5Der Termin liegt vormittags. Viele Menschen mit Demenz sind morgens am klarsten und werden im Tagesverlauf unruhiger. Bitten Sie um einen Termin zu der Tageszeit, die den Alltag realistisch abbildet.

Ein Pflegetagebuch über 14 Tage löst fast alle diese Probleme auf einmal. Der Fragenkatalog Pflegegrad hilft dabei, keinen Bereich zu übersehen, und der Artikel Pflegegutachten erklärt, wie die Bewertung aufgebaut ist.

Diese Leistungen stehen Ihnen zu

Leistung / MonatPG 1PG 2PG 3
Pflegegeld332 €599 €
EB131 €131 €131 €
VHP (anteilig)294 €294 €
Pflegehilfsmittel42 €42 €42 €
Stunden bei JUHImind. 4Bis zu 13 Stunden

EB = Entlastungsbetrag, VHP = Verhinderungspflege, PG = Pflegegrad. Dazu kommt der Zuschuss zur Wohnraumanpassung von bis zu 4.000 € je Maßnahme – bei Demenz etwa für Herdsicherungen oder eine Türsicherung.

Wann eine Höherstufung ansteht

Eine Demenz schreitet fort. Deshalb ist die Frage bei dieser Erkrankung nicht ob, sondern wann der nächste Antrag sinnvoll wird. Deutliche Signale sind:

  • Die Körperpflege gelingt auch mit Anleitung nicht mehr, es muss übernommen werden
  • Nächtliche Unruhe oder Weglauftendenz treten auf
  • Die Person kann nicht mehr allein in der Wohnung bleiben
  • Inkontinenz tritt auf

Wie der Antrag abläuft, beschreibt der Artikel Pflegegrad erhöhen. Beruhigend ist: Weil sich eine Demenz nicht zurückbildet, besteht bei einer Neubegutachtung kaum ein Risiko der Herabstufung – anders als etwa nach einer erfolgreichen Operation. Mehr dazu unter Wie oft wird der Pflegegrad überprüft.

So hilft JUHI bei Demenz

Im Frühstadium sind es selten die Pflegehandgriffe, die Familien an die Grenze bringen – es ist die Dauerpräsenz. Immer erreichbar sein, dreimal dasselbe erklären, nebenbei den Haushalt der Eltern mitführen und den eigenen dazu.

Genau hier setzt JUHI an. Wir übernehmen Saugen, Fenster putzen, Einkaufen, Gardinen aufhängen, leichte Gartenarbeiten, Begleitung und Gesellschaft. Bei Pflegegrad 1 sind das mindestens 4 Stunden pro Monat, ab Pflegegrad 2 bis zu 13 volle Stunden – finanziert über den Entlastungsbetrag und die Verhinderungspflege, ohne einen Cent Eigenkosten. Unser Stundensatz beträgt 32,75 €* inkl. sämtlicher Kosten.

Bei Demenz zählt Verlässlichkeit besonders. Deshalb bekommt jede Familie bei JUHI Ihre feste Hilfsperson, die regelmäßig kommt – kein wechselndes Personal. Unsere Helfer:innen durchlaufen eine Schulung nach § 45a SGB XI und suchen sich ihre Aufträge selbst aus. So entsteht ein vertrautes Gesicht statt ständig neuer Menschen in der Wohnung.

JUHI ist seit über 8 Jahren von allen Pflegekassen anerkannt – bundesweit in über 40 Städten und 10 Bundesländern, darunter München, Frankfurt, Essen und Kiel. JUHI hilft allen Menschen mit Pflegegrad – unabhängig vom Alter.

Anregungen für die gemeinsame Zeit finden Sie unter Gedächtnistraining für Senioren und Beschäftigung für Senioren. Ihren Stundenanspruch zeigt Ihnen der JUHI-Rechner. Stellen Sie gerne eine kurze Anfrage – wir melden uns innerhalb weniger Stunden.

Unser Fazit: Früh beantragen lohnt sich

Viele Familien warten mit dem Antrag, bis die Demenz „schlimm genug" ist. Das kostet bares Geld, denn Leistungen gelten erst ab dem Monat der Antragstellung – rückwirkend gibt es nichts. Und im Frühstadium ist häufig bereits Pflegegrad 2 erreichbar, auch wenn die betroffene Person körperlich noch völlig fit wirkt.

Entscheidend ist, bei der Begutachtung ehrlich zu schildern, was Anleitung, Erinnerung und Beaufsichtigung im Alltag tatsächlich bedeuten. Eine erste Einschätzung liefert der Pflegegradrechner, eine kostenlose Beratung zur Antragstellung erhalten Sie bei Afilio.

Häufig gestellte Fragen

Welcher Pflegegrad ist bei beginnender Demenz üblich?+

Meist Pflegegrad 1 oder 2. Sobald regelmäßige Erinnerung und Anleitung bei Körperpflege, Medikamenten und Tagesstruktur nötig sind, wird Pflegegrad 2 realistisch – auch wenn die Person körperlich noch selbständig ist.

Bekommt man einen Pflegegrad, obwohl körperlich alles funktioniert?+

Ja. Seit 2017 werden kognitive Einschränkungen gleichwertig zu körperlichen bewertet. Die Mobilität zählt nur 10 % des Gesamtergebnisses – Demenz punktet dagegen in den Modulen Kognition, Selbstversorgung, Krankheitsbewältigung und Alltagsgestaltung.

Zählt es, wenn ich nur erinnern und auffordern muss?+

Ja, und zwar gleichwertig. Anleiten, Beaufsichtigen und Motivieren gelten im Begutachtungsverfahren ausdrücklich als personelle Unterstützung. Wer nur nach mehrfacher Aufforderung duscht, ist in diesem Bereich nicht selbständig.

Wie verhalte ich mich beim Begutachtungstermin?+

Seien Sie unbedingt anwesend und schildern Sie den Alltag realistisch – auch wenn die betroffene Person das anders darstellt. Bereiten Sie das Gespräch vorher behutsam vor und bitten Sie den Gutachter notfalls um ein kurzes Gespräch unter vier Augen. Ein Pflegetagebuch über zwei Wochen ist die beste Unterstützung.

Kann der Pflegegrad bei Demenz wieder aberkannt werden?+

Praktisch nicht. Eine Demenz schreitet fort, eine Verbesserung ist medizinisch nicht zu erwarten. Der Medizinische Dienst empfiehlt bei dieser Diagnose in der Regel keine Wiederholungsbegutachtung.

Sollten wir mit dem Antrag warten, bis es schlimmer wird?+

Nein. Leistungen gelten ab dem Monat der Antragstellung, nicht rückwirkend. Jeder Monat Wartezeit ist verlorenes Budget. Und wenn sich die Situation später verschlechtert, können Sie jederzeit eine Höherstufung beantragen.

Quellen

  1. § 14 SGB XI – Begriff der Pflegebedürftigkeit
  2. § 15 SGB XI – Ermittlung des Grades der Pflegebedürftigkeit
  3. § 45b SGB XI – Entlastungsbetrag
  4. § 18 SGB XI – Verfahren zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit
  5. Medizinischer Dienst – Pflegebegutachtung
  6. Deutsche Alzheimer Gesellschaft – Informationen für Angehörige
  7. Bundesministerium für Gesundheit – Leistungen der Pflegeversicherung
  8. Verbraucherzentrale – Pflege zu Hause: Leistungen im Überblick

*In bestimmten Bundesländern ist der Preis etwas niedriger.

Die Diagnose ist gestellt, aber äußerlich wirkt alles noch normal: Der Vater geht spazieren, kocht sich Kaffee, führt Gespräche. Nur eben findet er den Weg vom Bäcker nicht mehr zuverlässig zurück und ruft dreimal am Tag mit derselben Frage an. In dieser Phase stellen sich Familien die Frage, ob überhaupt schon ein Pflegegrad infrage kommt.

Die Antwort überrascht viele: Ja – und häufig mehr, als erwartet. Weil das Begutachtungsverfahren seit 2017 kognitive Einschränkungen gleichwertig zu körperlichen bewertet, erreichen Menschen mit einer beginnenden Demenz oft Pflegegrad 2, obwohl sie körperlich noch völlig fit sind.

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Frühstadium ist meist Pflegegrad 1 oder 2 realistisch – bei ausgeprägten Alltagsproblemen auch mehr
  • Körperliche Fitness ist kein Hindernis – Demenz punktet über die Module 2, 4, 5 und 6
  • Beaufsichtigung und Anleitung zählen genauso viel wie körperliche Handreichung
  • Früh beantragen lohnt sich: Leistungen gelten rückwirkend ab dem Antragsmonat
  • Eine Herabstufung ist praktisch ausgeschlossen – Demenz schreitet fort, Verbesserungen sind nicht zu erwarten

Was bedeutet „Frühstadium"?

Mediziner unterscheiden grob drei Phasen. Im Frühstadium bleibt die Persönlichkeit weitgehend erhalten, und viele Betroffene können ihre Defizite noch gut überspielen – gerade gegenüber Fremden. Typisch sind:

  • Kurzzeitgedächtnis lässt nach – dieselbe Frage mehrfach, Termine werden vergessen, Gegenstände verlegt
  • Orientierung wird unsicher – bekannte Wege werden zum Problem, Wochentag und Datum sind unklar
  • Komplexe Handlungen zerfallen – Kochen, Bankgeschäfte, Formulare gelingen nicht mehr allein
  • Rückzug und Antriebsverlust – Hobbys werden aufgegeben, Kontakte schlafen ein
  • Medikamenteneinnahme wird unzuverlässig – doppelt genommen oder ganz vergessen

Was im Frühstadium meist noch funktioniert: Waschen, Ankleiden, Essen und Gehen. Genau deshalb glauben viele Angehörige, ein Pflegegrad käme noch nicht infrage. Weitere Hinweise auf Veränderungen finden Sie unter psychische Veränderungen im Alter.

Welcher Pflegegrad ist realistisch?

SituationRealistisch
Leichte Vergesslichkeit, Alltag läuft weitgehend selbständig, keine Aufsicht nötigPflegegrad 1
Erinnerung an Medikamente und Termine nötig, Tagesstruktur bricht ohne Anstoß zusammenPflegegrad 2
Zusätzlich Aufforderung bei Körperpflege und Ankleiden erforderlichPflegegrad 2
Ständige Beaufsichtigung nötig, nächtliche Unruhe, WeglauftendenzPflegegrad 3
Nur noch Erkennen naher Angehöriger, vollständige Übernahme aller VerrichtungenPflegegrad 4 bis 5

Der Übergang von Pflegegrad 1 zu 2 verläuft dort, wo regelmäßige Anleitung und Erinnerung nötig werden. Das ist im Frühstadium bereits häufig der Fall – wird von Familien aber oft nicht als „Pflege" wahrgenommen.

Warum Demenz gut punktet

Bis 2016 galten die alten Pflegestufen, und die maßen fast ausschließlich körperlichen Hilfebedarf in Minuten. Menschen mit Demenz gingen dabei regelmäßig leer aus. Seit 2017 werden kognitive Einschränkungen gleichwertig bewertet – das hat die Situation grundlegend verändert:

ModulGewichtWas bei Demenz zählt
1 – Mobilität10 %Im Frühstadium meist unauffällig
2 – Kognition15 %*Orientierung, Gedächtnis, Entscheidungen, Gespräche führen
3 – VerhaltenNächtliche Unruhe, Ängste, Abwehr bei der Pflege
4 – Selbstversorgung40 %Aufforderung und Anleitung zählen wie körperliche Hilfe
5 – Krankheit20 %Medikamente stellen und kontrollieren, Arzttermine organisieren
6 – Alltag15 %Tagesablauf planen, Kontakte pflegen, sich beschäftigen

*Von Modul 2 und 3 fließt nur der höhere Wert ein. Die vollständige Umrechnung steht in der Pflegegrad-Punkte-Tabelle.

💡 Der entscheidende Satz im Begutachtungsrecht

Selbständig ist nur, wer eine Tätigkeit ohne personelle Unterstützung durchführen kann. Als Unterstützung gilt ausdrücklich auch Anleiten, Beaufsichtigen und Motivieren. Wer also nur duscht, wenn er dreimal dazu aufgefordert wird, gilt in diesem Bereich nicht als selbständig – auch wenn er körperlich alles allein könnte.

Fallbeispiel: Frau Sander, 76 Jahre

Diagnose: Alzheimer-Demenz im Anfangsstadium, seit acht Monaten bekannt. Zusätzlich Bluthochdruck und Schilddrüsenunterfunktion.

Wohnsituation: Lebt allein, die Tochter wohnt zwei Straßen weiter und schaut täglich vorbei.

Der Alltag: Frau Sander geht noch selbst einkaufen, kauft aber Dinge, die sie längst hat, und vergisst, was fehlt. Sie kocht nicht mehr, seit sie zweimal den Herd angelassen hat. Duschen würde sie tagelang nicht, wenn die Tochter nicht darauf besteht und alles bereitlegt. Ihre fünf Medikamente stellt die Tochter wöchentlich vor. Termine schreibt sie sich auf, findet die Zettel aber nicht wieder. Nachmittags sitzt sie meist im Sessel, ohne Fernsehen oder Radio anzumachen.

ModulBewertungGewichtete Punkte
1 – MobilitätKörperlich selbständig, geht täglich spazieren0,0
2 – KognitionZeitliche Orientierung gestört, Gedächtnis deutlich eingeschränkt, Entscheidungen im Alltag nicht mehr möglich7,5
3 – VerhaltenBisher keine Auffälligkeiten (Modul 2 wird gewertet)
4 – SelbstversorgungKörperpflege nur nach mehrfacher Aufforderung, Kleidung wird ohne Hinweis nicht gewechselt, Mahlzeiten müssen bereitgestellt werden15,0
5 – KrankheitMedikamente werden gestellt und kontrolliert, Arzttermine organisiert und begleitet10,0
6 – AlltagTagesablauf wird nicht mehr selbst strukturiert, keine eigenständige Beschäftigung, Kontakte eingeschlafen7,5
Gesamtergebnis40,0 Punkte → Pflegegrad 2

Bemerkenswert: Frau Sander erreicht null Punkte in der Mobilität und trotzdem 40 von 47,5 möglichen Punkten für Pflegegrad 3. Ihr gesamter Bedarf entsteht aus Anleitung, Erinnerung und Übernahme organisatorischer Aufgaben. Weitere Rechenbeispiele finden Sie unter Pflegegrad 2 Fallbeispiel.

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Dann stehen Ihnen bis zu 13 Std. monatliche Hilfe zu!

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Die 5 häufigsten Fehler bei der Begutachtung

Bei Demenz im Frühstadium fallen Begutachtungen besonders oft zu niedrig aus. Die Gründe sind fast immer dieselben:

  1. 1Die Fassade hält. Menschen mit beginnender Demenz überspielen ihre Defizite gegenüber Fremden oft erstaunlich gut. Sie antworten freundlich, wirken orientiert – und wirken dadurch selbständiger, als sie sind.
  2. 2Niemand widerspricht. Wenn die Mutter sagt „Ich mache alles selbst", trauen sich viele Angehörige nicht, das im Beisein zu korrigieren. Klären Sie das vorher – oder bitten Sie um ein kurzes Gespräch unter vier Augen mit dem Gutachter.
  3. 3Anleitung wird nicht als Hilfe gezählt. „Waschen kann sie noch selbst" ist falsch, wenn es ohne dreimalige Aufforderung nicht passiert. Formulieren Sie es genau so: Sie führt es aus, aber nur nach wiederholter Aufforderung und Bereitlegen der Sachen.
  4. 4Modul 5 fehlt komplett. Medikamente stellen, Arzttermine vereinbaren und begleiten, Rezepte holen – das sind bis zu 20 % des Ergebnisses und wird regelmäßig nicht erwähnt.
  5. 5Der Termin liegt vormittags. Viele Menschen mit Demenz sind morgens am klarsten und werden im Tagesverlauf unruhiger. Bitten Sie um einen Termin zu der Tageszeit, die den Alltag realistisch abbildet.

Ein Pflegetagebuch über 14 Tage löst fast alle diese Probleme auf einmal. Der Fragenkatalog Pflegegrad hilft dabei, keinen Bereich zu übersehen, und der Artikel Pflegegutachten erklärt, wie die Bewertung aufgebaut ist.

Diese Leistungen stehen Ihnen zu

Leistung / MonatPG 1PG 2PG 3
Pflegegeld332 €599 €
EB131 €131 €131 €
VHP (anteilig)294 €294 €
Pflegehilfsmittel42 €42 €42 €
Stunden bei JUHImind. 4Bis zu 13 Stunden

EB = Entlastungsbetrag, VHP = Verhinderungspflege, PG = Pflegegrad. Dazu kommt der Zuschuss zur Wohnraumanpassung von bis zu 4.000 € je Maßnahme – bei Demenz etwa für Herdsicherungen oder eine Türsicherung.

Wann eine Höherstufung ansteht

Eine Demenz schreitet fort. Deshalb ist die Frage bei dieser Erkrankung nicht ob, sondern wann der nächste Antrag sinnvoll wird. Deutliche Signale sind:

  • Die Körperpflege gelingt auch mit Anleitung nicht mehr, es muss übernommen werden
  • Nächtliche Unruhe oder Weglauftendenz treten auf
  • Die Person kann nicht mehr allein in der Wohnung bleiben
  • Inkontinenz tritt auf

Wie der Antrag abläuft, beschreibt der Artikel Pflegegrad erhöhen. Beruhigend ist: Weil sich eine Demenz nicht zurückbildet, besteht bei einer Neubegutachtung kaum ein Risiko der Herabstufung – anders als etwa nach einer erfolgreichen Operation. Mehr dazu unter Wie oft wird der Pflegegrad überprüft.

So hilft JUHI bei Demenz

Im Frühstadium sind es selten die Pflegehandgriffe, die Familien an die Grenze bringen – es ist die Dauerpräsenz. Immer erreichbar sein, dreimal dasselbe erklären, nebenbei den Haushalt der Eltern mitführen und den eigenen dazu.

Genau hier setzt JUHI an. Wir übernehmen Saugen, Fenster putzen, Einkaufen, Gardinen aufhängen, leichte Gartenarbeiten, Begleitung und Gesellschaft. Bei Pflegegrad 1 sind das mindestens 4 Stunden pro Monat, ab Pflegegrad 2 bis zu 13 volle Stunden – finanziert über den Entlastungsbetrag und die Verhinderungspflege, ohne einen Cent Eigenkosten. Unser Stundensatz beträgt 32,75 €* inkl. sämtlicher Kosten.

Bei Demenz zählt Verlässlichkeit besonders. Deshalb bekommt jede Familie bei JUHI Ihre feste Hilfsperson, die regelmäßig kommt – kein wechselndes Personal. Unsere Helfer:innen durchlaufen eine Schulung nach § 45a SGB XI und suchen sich ihre Aufträge selbst aus. So entsteht ein vertrautes Gesicht statt ständig neuer Menschen in der Wohnung.

JUHI ist seit über 8 Jahren von allen Pflegekassen anerkannt – bundesweit in über 40 Städten und 10 Bundesländern, darunter München, Frankfurt, Essen und Kiel. JUHI hilft allen Menschen mit Pflegegrad – unabhängig vom Alter.

Anregungen für die gemeinsame Zeit finden Sie unter Gedächtnistraining für Senioren und Beschäftigung für Senioren. Ihren Stundenanspruch zeigt Ihnen der JUHI-Rechner. Stellen Sie gerne eine kurze Anfrage – wir melden uns innerhalb weniger Stunden.

Unser Fazit: Früh beantragen lohnt sich

Viele Familien warten mit dem Antrag, bis die Demenz „schlimm genug" ist. Das kostet bares Geld, denn Leistungen gelten erst ab dem Monat der Antragstellung – rückwirkend gibt es nichts. Und im Frühstadium ist häufig bereits Pflegegrad 2 erreichbar, auch wenn die betroffene Person körperlich noch völlig fit wirkt.

Entscheidend ist, bei der Begutachtung ehrlich zu schildern, was Anleitung, Erinnerung und Beaufsichtigung im Alltag tatsächlich bedeuten. Eine erste Einschätzung liefert der Pflegegradrechner, eine kostenlose Beratung zur Antragstellung erhalten Sie bei Afilio.

Häufig gestellte Fragen

Welcher Pflegegrad ist bei beginnender Demenz üblich?+

Meist Pflegegrad 1 oder 2. Sobald regelmäßige Erinnerung und Anleitung bei Körperpflege, Medikamenten und Tagesstruktur nötig sind, wird Pflegegrad 2 realistisch – auch wenn die Person körperlich noch selbständig ist.

Bekommt man einen Pflegegrad, obwohl körperlich alles funktioniert?+

Ja. Seit 2017 werden kognitive Einschränkungen gleichwertig zu körperlichen bewertet. Die Mobilität zählt nur 10 % des Gesamtergebnisses – Demenz punktet dagegen in den Modulen Kognition, Selbstversorgung, Krankheitsbewältigung und Alltagsgestaltung.

Zählt es, wenn ich nur erinnern und auffordern muss?+

Ja, und zwar gleichwertig. Anleiten, Beaufsichtigen und Motivieren gelten im Begutachtungsverfahren ausdrücklich als personelle Unterstützung. Wer nur nach mehrfacher Aufforderung duscht, ist in diesem Bereich nicht selbständig.

Wie verhalte ich mich beim Begutachtungstermin?+

Seien Sie unbedingt anwesend und schildern Sie den Alltag realistisch – auch wenn die betroffene Person das anders darstellt. Bereiten Sie das Gespräch vorher behutsam vor und bitten Sie den Gutachter notfalls um ein kurzes Gespräch unter vier Augen. Ein Pflegetagebuch über zwei Wochen ist die beste Unterstützung.

Kann der Pflegegrad bei Demenz wieder aberkannt werden?+

Praktisch nicht. Eine Demenz schreitet fort, eine Verbesserung ist medizinisch nicht zu erwarten. Der Medizinische Dienst empfiehlt bei dieser Diagnose in der Regel keine Wiederholungsbegutachtung.

Sollten wir mit dem Antrag warten, bis es schlimmer wird?+

Nein. Leistungen gelten ab dem Monat der Antragstellung, nicht rückwirkend. Jeder Monat Wartezeit ist verlorenes Budget. Und wenn sich die Situation später verschlechtert, können Sie jederzeit eine Höherstufung beantragen.

Quellen

  1. § 14 SGB XI – Begriff der Pflegebedürftigkeit
  2. § 15 SGB XI – Ermittlung des Grades der Pflegebedürftigkeit
  3. § 45b SGB XI – Entlastungsbetrag
  4. § 18 SGB XI – Verfahren zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit
  5. Medizinischer Dienst – Pflegebegutachtung
  6. Deutsche Alzheimer Gesellschaft – Informationen für Angehörige
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*In bestimmten Bundesländern ist der Preis etwas niedriger.

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