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Pflegegrad 2 Fallbeispiel: 3 echte Fälle aus der Praxis

Lina Heimann
Veröffentlicht am:
09.07.2026
Inhaltsverzeichnis

Punktetabellen und Modulbeschreibungen sind das eine – aber was bedeutet Pflegegrad 2 eigentlich im echten Leben? Wie sieht ein Alltag aus, der zu 27 bis 47,5 Punkten führt? Und warum bekommt der eine Pflegegrad 2, während die Nachbarin mit scheinbar ähnlichen Beschwerden nur Pflegegrad 1 erhält?

Wir zeigen Ihnen drei typische Fälle – eine ältere Dame mit körperlichen Einschränkungen, einen Mann mit beginnender Demenz und ein Kind mit Entwicklungsverzögerung. Jeweils mit der kompletten Punkteverteilung über alle sechs Module.

Das Wichtigste in Kürze

  • Pflegegrad 2 bedeutet 27 bis unter 47,5 Punkte im Begutachtungsverfahren
  • Drei Wege führen dorthin: körperliche Einschränkungen, kognitive Einschränkungen oder eine Mischung aus beidem
  • Modul 4 entscheidet am stärksten – die Selbstversorgung wird mit 40 % gewichtet
  • Bei Kindern zählt nur der Mehrbedarf gegenüber einem gleichaltrigen gesunden Kind
  • Mit Pflegegrad 2 stehen Ihnen bei JUHI bis zu 13 Stunden Haushaltshilfe pro Monat zu – ohne Eigenkosten

Wann bekommt man Pflegegrad 2?

Der Medizinische Dienst bewertet sechs Lebensbereiche und rechnet die Ergebnisse in einen Gesamtwert zwischen 0 und 100 Punkten um. Für Pflegegrad 2 brauchen Sie mindestens 27 Punkte:

ModulWas wird bewertet?Gewichtung
1 – MobilitätAufstehen, Gehen, Treppensteigen, Umsetzen10 %
2 – KognitionOrientierung, Erinnern, Entscheiden, Gespräche führen15 %*
3 – VerhaltenUnruhe, Aggression, Ängste, nächtliches Wandern
4 – SelbstversorgungWaschen, Ankleiden, Essen, Toilettengang40 %
5 – KrankheitsbewältigungMedikamente, Arztbesuche, Verbände, Messungen20 %
6 – AlltagsgestaltungTagesablauf planen, Kontakte pflegen, sich beschäftigen15 %

*Von Modul 2 und Modul 3 fließt nur der jeweils höhere Wert in die Gesamtbewertung ein. Die vollständige Umrechnung finden Sie in der Pflegegrad-Punkte-Tabelle.

Fallbeispiel 1: Frau Özdemir, 78 Jahre – körperliche Einschränkungen

Diagnosen: Fortgeschrittene Kniearthrose beidseits, Herzinsuffizienz (NYHA II), Bluthochdruck, beginnende Sehschwäche

Wohnsituation: Lebt allein in einer Wohnung im zweiten Stock ohne Aufzug. Die Tochter kommt zweimal pro Woche.

Der Alltag: Frau Özdemir kommt morgens nur mit Mühe aus dem Bett und braucht danach eine lange Pause. Duschen geht nur mit Hilfe, weil sie sich nicht sicher in die Wanne setzen kann. Sie kocht sich noch selbst etwas Einfaches, aber Einkaufen und Treppensteigen schafft sie nicht mehr allein. Ihre acht Medikamente sortiert die Tochter wöchentlich vor.

ModulBewertungGewichtete Punkte
1 – MobilitätErhebliche Einschränkung beim Treppensteigen und Umsetzen5,0
2 – KognitionGeistig voll orientiert, keine Auffälligkeiten0,0
3 – VerhaltenKeine Auffälligkeiten0,0
4 – SelbstversorgungHilfe beim Duschen, Ankleiden der Unterkörperbekleidung, Strümpfe anziehen20,0
5 – KrankheitsbewältigungMedikamente werden gestellt, regelmäßige Arztbesuche mit Begleitung5,0
6 – AlltagsgestaltungKann den Tag selbst strukturieren, Kontakte werden aber seltener3,75
Gesamtergebnis33,75 Punkte → Pflegegrad 2

Warum Pflegegrad 2 und nicht Pflegegrad 1? Entscheidend war Modul 4. Weil Frau Özdemir beim Duschen und beim Anziehen der Unterkörperbekleidung überwiegend auf Hilfe angewiesen ist, kommen dort allein 20 gewichtete Punkte zusammen – rund zwei Drittel des Gesamtergebnisses. Wären diese Tätigkeiten noch selbständig möglich, läge sie deutlich unter 27 Punkten.

Fallbeispiel 2: Herr Bauer, 71 Jahre – beginnende Demenz

Diagnosen: Alzheimer-Demenz im Anfangsstadium, Diabetes Typ 2, Zustand nach leichtem Schlaganfall

Wohnsituation: Lebt mit seiner Ehefrau zusammen, die ihn betreut.

Der Alltag: Körperlich ist Herr Bauer noch recht fit – er geht spazieren und kann Treppen steigen. Aber er vergisst, ob er schon gegessen hat, findet auf dem Rückweg vom Bäcker nicht immer nach Hause und wird abends unruhig. Ohne Aufforderung würde er sich weder waschen noch die Kleidung wechseln. Seine Insulinspritze kann er nicht mehr selbst setzen.

ModulBewertungGewichtete Punkte
1 – MobilitätKörperlich weitgehend selbständig0,0
2 – KognitionÖrtliche Orientierung gestört, Gedächtnis deutlich eingeschränkt, Entscheidungen nicht mehr möglich7,5
3 – VerhaltenAbendliche Unruhe, gelegentliche Weglauftendenz (fließt nicht ein, da Modul 2 höher)
4 – SelbstversorgungBraucht bei fast allen Tätigkeiten Aufforderung und Anleitung20,0
5 – KrankheitsbewältigungInsulin muss gespritzt werden, Blutzuckerkontrolle durch die Ehefrau10,0
6 – AlltagsgestaltungKann den Tagesablauf nicht mehr selbst planen, benötigt Struktur von außen7,5
Gesamtergebnis45,0 Punkte → Pflegegrad 2

Knapp unter Pflegegrad 3. Herr Bauer liegt mit 45 Punkten dicht an der Grenze von 47,5. Interessant ist, dass er in Modul 1 null Punkte hat – körperlich fehlt ihm nichts. Trotzdem reicht es klar für Pflegegrad 2, weil bei Demenz die Module 2, 4 und 6 stark ins Gewicht fallen. Verschlechtert sich die Demenz weiter, ist eine Höherstufung realistisch.

💡 Aufforderung zählt genauso wie Handreichung

Viele Angehörige geben bei der Begutachtung an, der Betroffene könne sich „eigentlich noch selbst waschen". Das ist ein häufiger Fehler. Wenn jemand ohne ständige Aufforderung nicht ins Bad geht oder mittendrin aufhört, gilt er nicht als selbständig. Anleiten, erinnern und beaufsichtigen sind gleichwertige Formen der Unterstützung.

i Info

Pflegegrad vorhanden?

Dann stehen Ihnen bis zu 13 Std. monatliche Hilfe zu!

Hier geht es zum Rechner

Fallbeispiel 3: Mia, 6 Jahre – Entwicklungsverzögerung

Diagnosen: Globale Entwicklungsverzögerung, Sprachentwicklungsstörung, Muskelhypotonie

Wohnsituation: Lebt bei den Eltern, besucht einen Förderkindergarten.

Der Alltag: Mia kann noch nicht allein essen, ohne zu kleckern und abzubrechen. Sie trägt tagsüber teilweise noch Windeln, während gleichaltrige Kinder längst trocken sind. Beim Anziehen braucht sie durchgehend Hilfe. Sie spricht nur in Zwei-Wort-Sätzen und wird schnell frustriert, was in Wutanfälle mündet. Zweimal wöchentlich stehen Logopädie und Ergotherapie an.

ModulMehrbedarf gegenüber gleichaltrigem KindGewichtete Punkte
1 – MobilitätUnsicherer Gang, Treppen nur mit Festhalten2,5
2 – KognitionSprachverständnis und Mitteilungsfähigkeit deutlich unter Altersnorm7,5
3 – VerhaltenHäufige Wutanfälle aus Frustration (Modul 2 wird gewertet)
4 – SelbstversorgungEssen, Anziehen und Toilettengang weit über Altersnorm hinaus hilfebedürftig15,0
5 – KrankheitsbewältigungRegelmäßige Therapietermine, Übungen zu Hause5,0
6 – AlltagsgestaltungBraucht durchgehend Anleitung beim Spielen und bei Kontakten3,75
Gesamtergebnis33,75 Punkte → Pflegegrad 2

Der Mehrbedarf ist der Maßstab. Dass ein sechsjähriges Kind beim Anziehen Hilfe braucht, ist teilweise normal – bewertet wird deshalb nur, was über das altersübliche Maß hinausgeht. Bei Mia ist das vor allem der Toilettengang und das Essen. Mehr zu den Besonderheiten der Begutachtung lesen Sie unter Pflegegrad bei Kindern.

Was die drei Fälle gemeinsam haben

Auf den ersten Blick könnten die Situationen kaum unterschiedlicher sein – eine Seniorin mit Arthrose, ein Mann mit Demenz, ein Kind mit Entwicklungsverzögerung. Trotzdem gibt es klare Muster:

  • Modul 4 trägt in allen drei Fällen den größten Anteil – zwischen 15 und 20 der insgesamt rund 34 bis 45 Punkte. Wer bei Waschen, Ankleiden und Essen Hilfe braucht, erreicht Pflegegrad 2 fast immer.
  • Ein einzelnes Modul reicht nie aus. In allen drei Fällen kommen Punkte aus mindestens vier Bereichen zusammen.
  • Mobilität ist überbewertet. Sie zählt nur 10 % – Herr Bauer erreicht Pflegegrad 2 mit null Punkten in diesem Modul.
  • Modul 5 wird häufig unterschätzt. Medikamentengabe, Injektionen und Arztbegleitung bringen 5 bis 10 Punkte, werden aber oft gar nicht angegeben.

Wie viel Zeit der Pflegealltag bei Pflegegrad 2 tatsächlich kostet, zeigt unsere Pflegegrad 2 Zeitaufwand Tabelle.

Grenzfall: Pflegegrad 1 oder 2?

Zwischen Pflegegrad 1 und Pflegegrad 2 liegt die wichtigste Schwelle der Pflegeversicherung – ab 27 Punkten kommen Pflegegeld und Verhinderungspflege erstmals dazu. So unterscheiden sich die beiden:

SituationTypisch Pflegegrad 1Typisch Pflegegrad 2
DuschenSchafft es allein, braucht nur AufsichtBraucht Hilfe beim Einsteigen und Waschen des Rückens
AnkleidenSelbständig, dauert nur längerBraucht Hilfe bei Strümpfen, Schuhen, Knöpfen
MedikamenteNimmt sie zuverlässig selbstMüssen gestellt und die Einnahme kontrolliert werden
HaushaltKleinere Arbeiten gehen nochPutzen und Einkaufen sind nicht mehr möglich
Punkte12,5 bis unter 2727 bis unter 47,5

Ein Vergleichsfall mit vollständiger Punkteverteilung findet sich im Artikel Pflegegrad 1 Fallbeispiel.

Wenn Sie unsicher sind, wo Sie stehen: Der Pflegegradrechner gibt eine erste Orientierung, und der Fragenkatalog Pflegegrad hilft bei der Vorbereitung auf den Begutachtungstermin. Fällt das Ergebnis niedriger aus als erwartet, lohnt sich häufig ein Widerspruch.

Das steht Ihnen mit Pflegegrad 2 zu

Leistung / Monat PG 1 PG 2 PG 3 PG 4 PG 5
Pflegegeld332 €599 €765 €947 €
Sachleistungen760 €1.431 €1.778 €2.200 €
EB131 €131 €131 €131 €131 €
VHP (anteilig)294 €294 €294 €294 €
Stunden bei JUHImind. 4Bis zu 13 Stunden

EB = Entlastungsbetrag, VHP = Verhinderungspflege, PG = Pflegegrad. Die Verhinderungspflege beträgt bis zu 3.539 € pro Jahr; der Monatswert ist ein rechnerischer Anteil.

So hilft JUHI bei Pflegegrad 2

In allen drei Fallbeispielen taucht dasselbe Problem auf: Der Haushalt bleibt liegen. Frau Özdemir kommt nicht mehr zum Einkaufen, die Ehefrau von Herrn Bauer ist mit der Betreuung ausgelastet, und Mias Eltern jonglieren Therapietermine und Beruf.

Genau hier setzt JUHI an. Wir übernehmen Saugen, Fenster putzen, Einkaufen, Gardinen aufhängen, leichte Gartenarbeiten, Begleitung und Gesellschaft. Das sind bei JUHI bis zu 13 volle Stunden Hilfe pro Monat, finanziert über den Entlastungsbetrag und die Verhinderungspflegeohne einen Cent Eigenkosten. Unser Stundensatz beträgt 32,75 €* inkl. sämtlicher Kosten.

JUHI ist seit über 8 Jahren von allen Pflegekassen anerkannt – bundesweit in über 40 Städten und 10 Bundesländern, darunter Köln, Dresden, Essen und Augsburg. JUHI hilft allen Menschen mit Pflegegrad – unabhängig vom Alter, also auch Familien wie der von Mia.

Wie viele Stunden Ihnen konkret zustehen, lesen Sie unter Wie viele Stunden Haushaltshilfe bei Pflegegrad 2 – oder Sie nutzen direkt den JUHI-Rechner. Stellen Sie gerne eine kurze Anfrage, wir melden uns innerhalb weniger Stunden.

Unser Fazit: Der Alltag entscheidet, nicht die Diagnose

Die drei Fälle zeigen deutlich: Nicht die Krankheit bestimmt den Pflegegrad, sondern wie viel Selbständigkeit im Alltag verloren gegangen ist. Eine Demenz ohne körperliche Einschränkungen kann denselben Pflegegrad ergeben wie eine schwere Arthrose ohne kognitive Probleme.

Für die Begutachtung heißt das: Beschreiben Sie den Alltag ehrlich und vollständig – auch die Aufforderungen, die Kontrollen und die Handgriffe, die längst selbstverständlich geworden sind. Genau daraus entstehen die Punkte. Wie das Gutachten im Detail aufgebaut ist, erklären wir unter Pflegegutachten.

Häufig gestellte Fragen

Wie viele Punkte braucht man für Pflegegrad 2?+

Mindestens 27 und weniger als 47,5 Punkte. Die Punkte ergeben sich aus sechs Modulen, die unterschiedlich gewichtet werden – die Selbstversorgung mit 40 % am stärksten.

Bekommt man mit Demenz automatisch Pflegegrad 2?+

Nein, automatisch nicht. Aber eine Demenz wirkt sich gleich auf mehrere Module aus – Kognition, Selbstversorgung und Alltagsgestaltung. Deshalb wird Pflegegrad 2 bei einer diagnostizierten Demenz mit Alltagsauswirkungen sehr häufig erreicht, wie das Beispiel von Herrn Bauer zeigt.

Warum bekommt mein Nachbar Pflegegrad 2 und ich nur Pflegegrad 1?+

Weil nicht die Diagnose zählt, sondern die Selbständigkeit im Alltag. Zwei Menschen mit derselben Erkrankung können völlig unterschiedliche Punktzahlen erreichen. Häufig liegt der Unterschied in Modul 4 – also darin, ob Waschen, Ankleiden und Essen noch allein gelingen.

Zählt es, wenn ich meinen Angehörigen nur an etwas erinnern muss?+

Ja, unbedingt. Anleitung, Aufforderung und Beaufsichtigung sind gleichwertige Formen der Unterstützung. Wer ohne Erinnerung nicht duscht oder eine Tätigkeit mittendrin abbricht, gilt in diesem Bereich nicht als selbständig.

Wie wird der Pflegegrad bei Kindern berechnet?+

Bewertet wird nur der Mehrbedarf gegenüber einem gleichaltrigen gesunden Kind. Dass eine Sechsjährige beim Anziehen Hilfe braucht, ist teilweise altersnormal – gezählt wird, was darüber hinausgeht. Bei Kindern unter 18 Monaten gelten zusätzlich besondere Regeln.

Wie viel Haushaltshilfe steht mir mit Pflegegrad 2 zu?+

Über den Entlastungsbetrag und die Verhinderungspflege erhalten Sie bei JUHI bis zu 13 Stunden pro Monat – ohne Eigenkosten. Ihr Pflegegeld bleibt dabei vollständig erhalten.

Quellen

  1. § 15 SGB XI – Ermittlung des Grades der Pflegebedürftigkeit
  2. § 14 SGB XI – Begriff der Pflegebedürftigkeit
  3. § 37 SGB XI – Pflegegeld für selbst beschaffte Pflegehilfen
  4. § 45b SGB XI – Entlastungsbetrag
  5. Medizinischer Dienst – Pflegebegutachtung
  6. Bundesministerium für Gesundheit – Leistungen der Pflegeversicherung
  7. GKV-Spitzenverband – Pflegeleistungen
  8. Verbraucherzentrale – Pflege zu Hause: Leistungen im Überblick

*In bestimmten Bundesländern ist der Preis etwas niedriger.

Punktetabellen und Modulbeschreibungen sind das eine – aber was bedeutet Pflegegrad 2 eigentlich im echten Leben? Wie sieht ein Alltag aus, der zu 27 bis 47,5 Punkten führt? Und warum bekommt der eine Pflegegrad 2, während die Nachbarin mit scheinbar ähnlichen Beschwerden nur Pflegegrad 1 erhält?

Wir zeigen Ihnen drei typische Fälle – eine ältere Dame mit körperlichen Einschränkungen, einen Mann mit beginnender Demenz und ein Kind mit Entwicklungsverzögerung. Jeweils mit der kompletten Punkteverteilung über alle sechs Module.

Das Wichtigste in Kürze

  • Pflegegrad 2 bedeutet 27 bis unter 47,5 Punkte im Begutachtungsverfahren
  • Drei Wege führen dorthin: körperliche Einschränkungen, kognitive Einschränkungen oder eine Mischung aus beidem
  • Modul 4 entscheidet am stärksten – die Selbstversorgung wird mit 40 % gewichtet
  • Bei Kindern zählt nur der Mehrbedarf gegenüber einem gleichaltrigen gesunden Kind
  • Mit Pflegegrad 2 stehen Ihnen bei JUHI bis zu 13 Stunden Haushaltshilfe pro Monat zu – ohne Eigenkosten

Wann bekommt man Pflegegrad 2?

Der Medizinische Dienst bewertet sechs Lebensbereiche und rechnet die Ergebnisse in einen Gesamtwert zwischen 0 und 100 Punkten um. Für Pflegegrad 2 brauchen Sie mindestens 27 Punkte:

ModulWas wird bewertet?Gewichtung
1 – MobilitätAufstehen, Gehen, Treppensteigen, Umsetzen10 %
2 – KognitionOrientierung, Erinnern, Entscheiden, Gespräche führen15 %*
3 – VerhaltenUnruhe, Aggression, Ängste, nächtliches Wandern
4 – SelbstversorgungWaschen, Ankleiden, Essen, Toilettengang40 %
5 – KrankheitsbewältigungMedikamente, Arztbesuche, Verbände, Messungen20 %
6 – AlltagsgestaltungTagesablauf planen, Kontakte pflegen, sich beschäftigen15 %

*Von Modul 2 und Modul 3 fließt nur der jeweils höhere Wert in die Gesamtbewertung ein. Die vollständige Umrechnung finden Sie in der Pflegegrad-Punkte-Tabelle.

Fallbeispiel 1: Frau Özdemir, 78 Jahre – körperliche Einschränkungen

Diagnosen: Fortgeschrittene Kniearthrose beidseits, Herzinsuffizienz (NYHA II), Bluthochdruck, beginnende Sehschwäche

Wohnsituation: Lebt allein in einer Wohnung im zweiten Stock ohne Aufzug. Die Tochter kommt zweimal pro Woche.

Der Alltag: Frau Özdemir kommt morgens nur mit Mühe aus dem Bett und braucht danach eine lange Pause. Duschen geht nur mit Hilfe, weil sie sich nicht sicher in die Wanne setzen kann. Sie kocht sich noch selbst etwas Einfaches, aber Einkaufen und Treppensteigen schafft sie nicht mehr allein. Ihre acht Medikamente sortiert die Tochter wöchentlich vor.

ModulBewertungGewichtete Punkte
1 – MobilitätErhebliche Einschränkung beim Treppensteigen und Umsetzen5,0
2 – KognitionGeistig voll orientiert, keine Auffälligkeiten0,0
3 – VerhaltenKeine Auffälligkeiten0,0
4 – SelbstversorgungHilfe beim Duschen, Ankleiden der Unterkörperbekleidung, Strümpfe anziehen20,0
5 – KrankheitsbewältigungMedikamente werden gestellt, regelmäßige Arztbesuche mit Begleitung5,0
6 – AlltagsgestaltungKann den Tag selbst strukturieren, Kontakte werden aber seltener3,75
Gesamtergebnis33,75 Punkte → Pflegegrad 2

Warum Pflegegrad 2 und nicht Pflegegrad 1? Entscheidend war Modul 4. Weil Frau Özdemir beim Duschen und beim Anziehen der Unterkörperbekleidung überwiegend auf Hilfe angewiesen ist, kommen dort allein 20 gewichtete Punkte zusammen – rund zwei Drittel des Gesamtergebnisses. Wären diese Tätigkeiten noch selbständig möglich, läge sie deutlich unter 27 Punkten.

Fallbeispiel 2: Herr Bauer, 71 Jahre – beginnende Demenz

Diagnosen: Alzheimer-Demenz im Anfangsstadium, Diabetes Typ 2, Zustand nach leichtem Schlaganfall

Wohnsituation: Lebt mit seiner Ehefrau zusammen, die ihn betreut.

Der Alltag: Körperlich ist Herr Bauer noch recht fit – er geht spazieren und kann Treppen steigen. Aber er vergisst, ob er schon gegessen hat, findet auf dem Rückweg vom Bäcker nicht immer nach Hause und wird abends unruhig. Ohne Aufforderung würde er sich weder waschen noch die Kleidung wechseln. Seine Insulinspritze kann er nicht mehr selbst setzen.

ModulBewertungGewichtete Punkte
1 – MobilitätKörperlich weitgehend selbständig0,0
2 – KognitionÖrtliche Orientierung gestört, Gedächtnis deutlich eingeschränkt, Entscheidungen nicht mehr möglich7,5
3 – VerhaltenAbendliche Unruhe, gelegentliche Weglauftendenz (fließt nicht ein, da Modul 2 höher)
4 – SelbstversorgungBraucht bei fast allen Tätigkeiten Aufforderung und Anleitung20,0
5 – KrankheitsbewältigungInsulin muss gespritzt werden, Blutzuckerkontrolle durch die Ehefrau10,0
6 – AlltagsgestaltungKann den Tagesablauf nicht mehr selbst planen, benötigt Struktur von außen7,5
Gesamtergebnis45,0 Punkte → Pflegegrad 2

Knapp unter Pflegegrad 3. Herr Bauer liegt mit 45 Punkten dicht an der Grenze von 47,5. Interessant ist, dass er in Modul 1 null Punkte hat – körperlich fehlt ihm nichts. Trotzdem reicht es klar für Pflegegrad 2, weil bei Demenz die Module 2, 4 und 6 stark ins Gewicht fallen. Verschlechtert sich die Demenz weiter, ist eine Höherstufung realistisch.

💡 Aufforderung zählt genauso wie Handreichung

Viele Angehörige geben bei der Begutachtung an, der Betroffene könne sich „eigentlich noch selbst waschen". Das ist ein häufiger Fehler. Wenn jemand ohne ständige Aufforderung nicht ins Bad geht oder mittendrin aufhört, gilt er nicht als selbständig. Anleiten, erinnern und beaufsichtigen sind gleichwertige Formen der Unterstützung.

i Info

Pflegegrad vorhanden?

Dann stehen Ihnen bis zu 13 Std. monatliche Hilfe zu!

Hier geht es zum Rechner

Fallbeispiel 3: Mia, 6 Jahre – Entwicklungsverzögerung

Diagnosen: Globale Entwicklungsverzögerung, Sprachentwicklungsstörung, Muskelhypotonie

Wohnsituation: Lebt bei den Eltern, besucht einen Förderkindergarten.

Der Alltag: Mia kann noch nicht allein essen, ohne zu kleckern und abzubrechen. Sie trägt tagsüber teilweise noch Windeln, während gleichaltrige Kinder längst trocken sind. Beim Anziehen braucht sie durchgehend Hilfe. Sie spricht nur in Zwei-Wort-Sätzen und wird schnell frustriert, was in Wutanfälle mündet. Zweimal wöchentlich stehen Logopädie und Ergotherapie an.

ModulMehrbedarf gegenüber gleichaltrigem KindGewichtete Punkte
1 – MobilitätUnsicherer Gang, Treppen nur mit Festhalten2,5
2 – KognitionSprachverständnis und Mitteilungsfähigkeit deutlich unter Altersnorm7,5
3 – VerhaltenHäufige Wutanfälle aus Frustration (Modul 2 wird gewertet)
4 – SelbstversorgungEssen, Anziehen und Toilettengang weit über Altersnorm hinaus hilfebedürftig15,0
5 – KrankheitsbewältigungRegelmäßige Therapietermine, Übungen zu Hause5,0
6 – AlltagsgestaltungBraucht durchgehend Anleitung beim Spielen und bei Kontakten3,75
Gesamtergebnis33,75 Punkte → Pflegegrad 2

Der Mehrbedarf ist der Maßstab. Dass ein sechsjähriges Kind beim Anziehen Hilfe braucht, ist teilweise normal – bewertet wird deshalb nur, was über das altersübliche Maß hinausgeht. Bei Mia ist das vor allem der Toilettengang und das Essen. Mehr zu den Besonderheiten der Begutachtung lesen Sie unter Pflegegrad bei Kindern.

Was die drei Fälle gemeinsam haben

Auf den ersten Blick könnten die Situationen kaum unterschiedlicher sein – eine Seniorin mit Arthrose, ein Mann mit Demenz, ein Kind mit Entwicklungsverzögerung. Trotzdem gibt es klare Muster:

  • Modul 4 trägt in allen drei Fällen den größten Anteil – zwischen 15 und 20 der insgesamt rund 34 bis 45 Punkte. Wer bei Waschen, Ankleiden und Essen Hilfe braucht, erreicht Pflegegrad 2 fast immer.
  • Ein einzelnes Modul reicht nie aus. In allen drei Fällen kommen Punkte aus mindestens vier Bereichen zusammen.
  • Mobilität ist überbewertet. Sie zählt nur 10 % – Herr Bauer erreicht Pflegegrad 2 mit null Punkten in diesem Modul.
  • Modul 5 wird häufig unterschätzt. Medikamentengabe, Injektionen und Arztbegleitung bringen 5 bis 10 Punkte, werden aber oft gar nicht angegeben.

Wie viel Zeit der Pflegealltag bei Pflegegrad 2 tatsächlich kostet, zeigt unsere Pflegegrad 2 Zeitaufwand Tabelle.

Grenzfall: Pflegegrad 1 oder 2?

Zwischen Pflegegrad 1 und Pflegegrad 2 liegt die wichtigste Schwelle der Pflegeversicherung – ab 27 Punkten kommen Pflegegeld und Verhinderungspflege erstmals dazu. So unterscheiden sich die beiden:

SituationTypisch Pflegegrad 1Typisch Pflegegrad 2
DuschenSchafft es allein, braucht nur AufsichtBraucht Hilfe beim Einsteigen und Waschen des Rückens
AnkleidenSelbständig, dauert nur längerBraucht Hilfe bei Strümpfen, Schuhen, Knöpfen
MedikamenteNimmt sie zuverlässig selbstMüssen gestellt und die Einnahme kontrolliert werden
HaushaltKleinere Arbeiten gehen nochPutzen und Einkaufen sind nicht mehr möglich
Punkte12,5 bis unter 2727 bis unter 47,5

Ein Vergleichsfall mit vollständiger Punkteverteilung findet sich im Artikel Pflegegrad 1 Fallbeispiel.

Wenn Sie unsicher sind, wo Sie stehen: Der Pflegegradrechner gibt eine erste Orientierung, und der Fragenkatalog Pflegegrad hilft bei der Vorbereitung auf den Begutachtungstermin. Fällt das Ergebnis niedriger aus als erwartet, lohnt sich häufig ein Widerspruch.

Das steht Ihnen mit Pflegegrad 2 zu

Leistung / Monat PG 1 PG 2 PG 3 PG 4 PG 5
Pflegegeld332 €599 €765 €947 €
Sachleistungen760 €1.431 €1.778 €2.200 €
EB131 €131 €131 €131 €131 €
VHP (anteilig)294 €294 €294 €294 €
Stunden bei JUHImind. 4Bis zu 13 Stunden

EB = Entlastungsbetrag, VHP = Verhinderungspflege, PG = Pflegegrad. Die Verhinderungspflege beträgt bis zu 3.539 € pro Jahr; der Monatswert ist ein rechnerischer Anteil.

So hilft JUHI bei Pflegegrad 2

In allen drei Fallbeispielen taucht dasselbe Problem auf: Der Haushalt bleibt liegen. Frau Özdemir kommt nicht mehr zum Einkaufen, die Ehefrau von Herrn Bauer ist mit der Betreuung ausgelastet, und Mias Eltern jonglieren Therapietermine und Beruf.

Genau hier setzt JUHI an. Wir übernehmen Saugen, Fenster putzen, Einkaufen, Gardinen aufhängen, leichte Gartenarbeiten, Begleitung und Gesellschaft. Das sind bei JUHI bis zu 13 volle Stunden Hilfe pro Monat, finanziert über den Entlastungsbetrag und die Verhinderungspflegeohne einen Cent Eigenkosten. Unser Stundensatz beträgt 32,75 €* inkl. sämtlicher Kosten.

JUHI ist seit über 8 Jahren von allen Pflegekassen anerkannt – bundesweit in über 40 Städten und 10 Bundesländern, darunter Köln, Dresden, Essen und Augsburg. JUHI hilft allen Menschen mit Pflegegrad – unabhängig vom Alter, also auch Familien wie der von Mia.

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Unser Fazit: Der Alltag entscheidet, nicht die Diagnose

Die drei Fälle zeigen deutlich: Nicht die Krankheit bestimmt den Pflegegrad, sondern wie viel Selbständigkeit im Alltag verloren gegangen ist. Eine Demenz ohne körperliche Einschränkungen kann denselben Pflegegrad ergeben wie eine schwere Arthrose ohne kognitive Probleme.

Für die Begutachtung heißt das: Beschreiben Sie den Alltag ehrlich und vollständig – auch die Aufforderungen, die Kontrollen und die Handgriffe, die längst selbstverständlich geworden sind. Genau daraus entstehen die Punkte. Wie das Gutachten im Detail aufgebaut ist, erklären wir unter Pflegegutachten.

Häufig gestellte Fragen

Wie viele Punkte braucht man für Pflegegrad 2?+

Mindestens 27 und weniger als 47,5 Punkte. Die Punkte ergeben sich aus sechs Modulen, die unterschiedlich gewichtet werden – die Selbstversorgung mit 40 % am stärksten.

Bekommt man mit Demenz automatisch Pflegegrad 2?+

Nein, automatisch nicht. Aber eine Demenz wirkt sich gleich auf mehrere Module aus – Kognition, Selbstversorgung und Alltagsgestaltung. Deshalb wird Pflegegrad 2 bei einer diagnostizierten Demenz mit Alltagsauswirkungen sehr häufig erreicht, wie das Beispiel von Herrn Bauer zeigt.

Warum bekommt mein Nachbar Pflegegrad 2 und ich nur Pflegegrad 1?+

Weil nicht die Diagnose zählt, sondern die Selbständigkeit im Alltag. Zwei Menschen mit derselben Erkrankung können völlig unterschiedliche Punktzahlen erreichen. Häufig liegt der Unterschied in Modul 4 – also darin, ob Waschen, Ankleiden und Essen noch allein gelingen.

Zählt es, wenn ich meinen Angehörigen nur an etwas erinnern muss?+

Ja, unbedingt. Anleitung, Aufforderung und Beaufsichtigung sind gleichwertige Formen der Unterstützung. Wer ohne Erinnerung nicht duscht oder eine Tätigkeit mittendrin abbricht, gilt in diesem Bereich nicht als selbständig.

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Über den Entlastungsbetrag und die Verhinderungspflege erhalten Sie bei JUHI bis zu 13 Stunden pro Monat – ohne Eigenkosten. Ihr Pflegegeld bleibt dabei vollständig erhalten.

Quellen

  1. § 15 SGB XI – Ermittlung des Grades der Pflegebedürftigkeit
  2. § 14 SGB XI – Begriff der Pflegebedürftigkeit
  3. § 37 SGB XI – Pflegegeld für selbst beschaffte Pflegehilfen
  4. § 45b SGB XI – Entlastungsbetrag
  5. Medizinischer Dienst – Pflegebegutachtung
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